AHA – Körperflüssigkeiten

Der Gedanke an Körperflüssigkeiten aller Art löst in den meisten wahrscheinlich eine Vielzahl gemischter Gefühle aus. Sei es Neugier, Ekel oder Lust – jedenfalls ist es wohl eines der Themen, über die selten gesprochen wird. Dabei spielen sie für unseren Körper und natürlich für unsere Sexualität eine große Rolle.

Wir zitieren ein Gespräch unter Freundinnen, bei denen die eine mitteilte: „Mich am See umzuziehen und vor meinen Freund*innen nackt sein, kein Problem, aber ich passe immer auf, dass niemand den Ausfluss in meiner Unterhose sehen kann.“ 

Aber wieso schämen wir uns für unseren Körper und all die ziemlich abgefahrenen Dinge, die er so drauf hat?

  1. Täglicher Vaginalausfluss ist ganz normal und tritt bei den meisten Frauen* ab Beginn der Pubertät auf. Eigentlich also kein Grund sich deswegen unwohl oder gar unhygienisch zu fühlen. Denn das Gegenteil ist der Fall: Der Vaginalausfluss dient der Befeuchtung der Schleimhäute in der Vagina und schützt sie und die Gebärmutter vor Bakterien, Infekten etc. Er spült sie gewissermaßen aus und sorgt so für eine gesunde Vaginalflora. Menge, Farbe, Geruch und Konsistenz können aufgrund zahlreicher Faktoren, wie Alter, Zyklus, Ernährung, hormonelle Verhütung, Schwangerschaft variieren. In der Regel ist der Ausfluss aber weißlich klebrig, bis zäh, oder auch dünner, durchsichtig, schleimig. Wenn sich die Menge oder Farbe des Ausfluss deutlich verändert, sollte man eine*n Arzt/Ärztin aufsuchen. Zusätzlich zum Vaginalausfluss gibt es noch den Zervixschleim, der den Muttermund, also den Eingang in die Gebärmutter, vor Bakterien etc. schützt und sich ebenfalls im Verlauf des Zyklus verändert. 
  1. Etwas anderes als der tägliche Vaginalausfluss ist das sogenannte Vaginalsekret, dass bei sexueller Erregung aus Drüsen austritt, die am Vagina Eingang zwischen den inneren Vulvalippen liegen. Oft sprechen wir von diesem Vorgang als „feucht werden“. Biologisch gesehen wird die Vagina auf Penetration vorbereitet. Natürlich gilt aber: Die Feuchtigkeit allein gibt keine Auskunft über unsere Lust und unseren Wunsch nach Sex. Also, nur weil eine Person nicht so feucht ist, heißt es nicht, dass sie keinen Sex haben möchte. Genau so ist es aber auch KEIN Zeichen von Konsens, feucht zu werden (!!!!). Leider wird es oft im Kontext von Missbrauch zur Legitimation verwendet. Mehr oder weniger feucht zu sein, ist ganz normal und individuell unterschiedlich. Daher greift einfach zum Gleitgel, wenn es mal nicht feucht genug ist. Außerdem interessant zu wissen: Vaginalsekret enthält Pheromone, die besonders um einen Eisprung herum anziehend auf mögliche Geschlechtspartner*innen wirken können, eigentlich ziemlich cool, oder? 
  1. Dem Vaginalsekret entspricht das Präejakulat, oft auch „Lusttropfen“ genannt. Eine kleine Menge Flüssigkeit, die losgelöst von der eigentlichen Ejakulation auftritt. Auch der Penis hat also eine eingebaute „Lubrikationsfunktion“. Wichtig: Schon das  Präejakulat kann Spermien enthalten und zu einer Befruchtung führen. Eigentlich Aufgabengebiet des Sperma. 
  2. Sperma ist die Samenflüssigkeit, die bei einem Orgasmus mit Ejakulation (ja, es gibt auch Orgasmen ohne…) aus der Harnröhre austritt. Produziert wird es in der Prostata, den Samenbläschen, Hoden und Nebenhoden. Sperma ist in der Regel weißlich-klebrig und im Durchschnitt umfasst eine Ejakulation etwa 2-6 ml Sperma. Männer* produzieren ständig neue Spermien, etwa 1200 in der Sekunde! Hut ab… aber diese bilden nur einen ganz kleinen Teil der Flüssigkeit, die sie transportiert, schützt und beweglich macht. Dass sich Geschmack und Geruch durch die Ernährung beeinflussen lassen, stimmt übrigens. Das Gleiche gilt auch für fast alle anderen der hier genannten Flüssigkeiten.  
  3. Wie ihr vielleicht schon wusstet, können aber nicht nur Menschen mit Penis ejakulieren. Auch Menschen mit Vulva können eine Ejakulation haben. (Das ist nicht dasselbe wie Squirting, obwohl diese beiden Phänomene oft gleichgesetzt werden.). Bei der weiblichen Ejakulation tritt während des Orgasmus eine kleine Menge, dicker Flüssigkeit aus der „Paraurethraldrüse“, also einer Drüse nahe der Harnröhre. Vielleicht hattest du sogar schon mal eine solche Ejakulation, hast es aufgrund der kleinen Menge Flüssigkeit nicht gemerkt…
  4. Squirting auf der anderen Seite beschreibt das „Abspritzen“ einer größeren Menge, klarer Flüssigkeit, die größtenteils aus der Blase kommt und nach derzeitigem Wissen eine sehr geringe Menge Urin enthält. Hier streitet sich allerdings auch die  Wissenschaft. Beide Themen sind definitiv unzureichend erforscht. Squirting kann auch unabhängig von Orgasmen auftreten. 

Diesen AHA-Beitrag hat Katharina recherchiert und erstellt.

Posted by wirhabenlust_admin

Schreibe einen Kommentar