Die Menstruationstasse

2.800 Tage. So lange menstruieren Frauen* und Menschen mit Uterus etwa in ihrem Leben. Von der ersten Periode bis zu den Wechseljahren sind es im Durchschnitt 456 Menstruationszyklen, die man durchläuft.

Und das ganze Blut, was dabei rumkommt, muss ja auch irgendwie aufgefangen werden.  Ein Großteil der Menstruierenden rund um den Globus benutzen dabei Tampons oder Binden. Diese „Standard-Produkte“ verursachen aber auch eine ganz schöne Belastung: Für die Umwelt und für deinen Geldbeutel.

Weil man die Tampons zum Beispiel alle 3 – 6 Std wechseln soll, kommen dabei im Laufe des Lebens mehr als 9.000 Tampons bzw. Binden zusammen. Diese enden ja nicht irgendwo, sondern zusammen mit anderen Abfällen im Müll und bestehen nicht nur aus abbaubaren Materialien sondern im großen Teil aus Plastik.

Plus: Für diese ganzen Tampons und Binden gibt man als menstruierende Person rund 700 Euro aus, einfach nur, weil der Uterus mal wieder mad ist, dass man doch nicht schwanger geworden ist.

Aber keine Sorge: Es gibt zum Glück Alternativen (juhu!). Besonders in den letzten Jahren haben sich immer mehr Anbieter gefunden, die auswaschbare Periodenunterwäsche sowie Binden verkaufen oder halt: Menstruationstassen.

Diese kosten beim Drogeriemarkt zwischen 7 und 20 Euro, was sich erstmal nach ein bisschen Investition anfühlt, aber es lohnt sich. Denn solche Cups halten bei richtiger Pflege 5 bis zu 10 Jahre!

Menstruationstassen sind aus medizinischem Silikon gefertigt und werden zusammengefaltet in die Vagina eingeführt. Dann „ploppen“ sie auf und schließen so exakt mit der Innenwand der Vagina ab, um Auslaufen zu vermeiden. Ich finde, man kommt gar nicht aus dem Schwärmen, deshalb hier ein paar Highlights, was die Tasse so alles kann:

  1. Sie ist günstig und hält lange.
  2. Es wird viel weniger Müll produziert und die Tasse enthält durch das medizinische Silikon kaum Schadstoffe. Normale Tampons zum Beispiel haben oft ungesunde chemische Inhaltsstoffe, die man eigentlich nicht so gerne in seiner Vagina haben möchte.
  3. Man muss sie nicht so oft wechseln, denn bis zu 12 Stunden kann man eine Menstruationstasse drin lassen… Die Tasse fasst viel mehr als ein Tampon: bis zu 20 ml (whaaaat?!)
  4. Wenn man seine Tage hat, hat man die Cup ja eh dabei. Also gibt es keine Engpässe, bei denen man sonst hektisch nach einem Tampon suchen muss.
  5. Die Tasse trocknet die Vagina nicht so sehr aus wie ein Tampon, besonders am Ende der Periode. Das unangenehme Gefühl, einen trockenen Tampon raus zerren zu müssen, ist gone and forgotten.

Eine kleine Anleitung und hilfreiche Tipps:

Die Tasse faltet man zusammen und führt sie dann in die Vagina ein. Sie muss nicht so weit oben sitzen, wie ein Tampon, sondern eher niedriger in der Vagina. Zum Einführen gibt es eine Menge Tutorials und Falttechniken, die zum Glück nicht ganz so kompliziert sind wie Origami, keine Sorge. Am Besten ist es, wenn man die Tasse einmal etwas nass macht, dann ist das Einführen leichter. Außerdem hilft es, sich zu entspannen, da sonst die Vagina verkrampft und das Einführen schwierig wird.

Wenn die Tasse aufploppt, kann man manchmal ein Geräusch hören, auf jeden Fall ist es wichtig, dass ein Unterdruck entsteht, weil es sonst passieren kann, dass deine Periode ausläuft. Zur Sicherheit kannst du auch mit deinem Finger einmal um den Rand fühlen oder die Tasse am Stiel ein wenig drehen, damit der Unterdruck entsteht und die Tasse auf jeden Fall geöffnet ist.Wenn es das erste Mal noch nicht so klappt, macht euch keinen Kopf. Wie bei allem braucht man auch beim Benutzen einer Menstruationstasse vor allem Übung.

Um die Tasse nach ca. 10-12 Stunden herauszunehmen, zieht man an dem Stiel und kann dann sie dann in die Toilette entleeren und reinigen. 

Apropos reinigen: Vor dem ersten Verwenden sollte man die Menstruationstassen im kochenden Wasser für ein paar Minuten sterilisieren und dann lufttrocknen lassen. Wasche deine Hände gründlich, bevor du die Tasse benutzt und auch bevor du sie wieder herausnimmst. Um sie zu reinigen (während deiner Periode) reicht es, die Tasse mit Wasser auszuspülen. Wichtig: denke auch an die kleinen Luftlöcher am oberen Rand der Tasse! 

Am Ende deiner Periode solltest du die Menstruationstasse ausspülen und dann ca. 6 Minuten in kochendem Wasser sterilisieren. Danach kann man sie prima in einem Baumwollbeutel oder so aufbewahren.

Eine wichtige Sache noch: wenn du eine Spirale hast, ist das Benutzen einer Menstruationstasse nicht ganz ungefährlich. Es kann schon auch funktionieren, wenn man besonders vorsichtig ist, aber das Risiko, dass man sich die Spirale durch den Unterdruck aus versehen rauszieht, ist hoch und dann kann dann ganz schön schief gehen. Sprecht gerne mit eurer*m Gynäkolog*in und steigt sonst auf Alternativen wie Periodenunterwäsche oder Bio-Tampons um, bis ihr eure Spirale wieder entfernen lassen wollt.

Ich finde dadurch, dass du beim Einsetzen deine Vagina erkundest und dein Blut siehst, baut man Berührungs”ängste” und auch ein wenig die Tabuisierung von (deiner eigenen) Menstruation ab. Du lernst deine Periode und deinen Körper ganz anders kennen. Wusstest du zum Beispiel, dass man während der Periode durchschnittlich 3-4 Teelöffel Blut verliert? Eigentlich erstaunlich, wie wenig das ist. Persönlich finde ich die Menstruationstasse auch einfach hygienischer vom Gefühl her und bin erstaunt, wie komisch ich mich jetzt fühle, wenn ich notgedrungen doch noch einmal einen Tampon benutzen muss.

Ich finde es wichtig, sich mit Alternativen zu Tampons und Binden auseinanderzusetzen und denke es ist auch endlich Zeit, die Berührungsängste vor der Periode im Allgemeinen aber besonders vor dem Menstruationsblut aus dem Weg zu schaffen. Für einen freien Umgang mit der Periode ist besonders die Konversation wichtig, aber auch, dass wir wegkommen vom heimlichen Tampon-aufs-Klo-nehmen oder dem „unangenehmen“ Rascheln von Verpackungen auf der Toilette. Die Menstruation ist normal und gehört in den Alltag, Period!

– Dieser Blog wurde von Ella verfasst.


“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.”

Posted by wirhabenlust_admin

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