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Ich hab die Haare schön.

Manchmal habe ich sogar die Hoffnung, dass die Menschen nicht bei dem Entsetzen, der Verwunderung oder der Irritation aufhören, sondern weiterdenken und begreifen, dass das, was sie da sehen natürlich ist – „normal“ ist.

„Du siehst aus wie so ein Gorilla“ wirft mir mein Bruder an den Kopf, als ich – damals Jugendliche – mich im Bikini in die Sonne lege. Meine Beine habe ich extra rasiert, aber am Bauch und den Armen sind meine Haare deutlich sichtbar. 

„Oh da hat wohl jemand vergessen sich zu rasieren“ – schallendes Gelächter. Zwei Mitschülerinnen machen sich einen Spaß aus meiner Achselbehaarung, als ich in der Schule meinen Arm hebe und mich melde. 

„Mannsweib“ kommentiert ein Mitschüler auf Facebook unter ein Foto von mir, auf dem meine Behaarung auf den Armen zufälligerweise stark zu sehen ist. 

„Es ist ja schon komisch, wenn die Frau mehr Haare an den Beinen hat als der Mann. Rasier‘ dich lieber mal“ riet mir mein damaliger Freund. Im Winter. Niemand außer ihm hat meine unrasierten Beine zu diesem Zeitpunkt gesehen. 

Damals hat mich all das verletzt, gleichzeitig wäre ich am liebsten vor Scham im Boden versunken oder hätte zu weinen angefangen. Aber ich habe es überspielt, mitgelacht, den Leuten recht gegeben. Und mich dann daran gemacht die Haare so gut und gründlich wie möglich zu entfernen. Anfangs mit Nassrasierern – hier übrigens ein herzliches Shout Out an meine Mama, die mir am Anfang meiner Rasur-Karriere ans Herz gelegt hat, mich doch bitte nicht überall zu rasieren, solange ich noch jung bin – dann mal mit Heißwachs, mit Kaltwachsstreifen, mit der Pinzette, mit dem Epilierer, mit Enthaarungscreme, mit einem Trockenrasierer, mit Sugaring-Paste. Aber nichts hat mich so richtig zufrieden gestellt. 

Entweder sind die Haare gleich wieder nachgewachsen, oder es hat weh getan, oder viel Geld gekostet, oder lange gedauert. Oder eine Mischung aus Allem. Ich war genervt. Andauernd wuchsen Haare nach – und dann auch noch an Stellen, an denen „normale“ Frauen keine Behaarung haben: an den Nippeln, am Po, am Bauch, an der Oberlippe, auf den Zehen, am Handrücken. Weg, einfach nur weg sollten sie alle. Am besten für immer. Manchmal war ich richtig verzweifelt. Ich freute mich immer auf den Winter, da konnte ich alle Haare wachsen lassen und keiner konnte sie sehen.

Heute ist das ganz anders. Heute verletzen mich solche Kommentare nicht mehr oder kaum noch und ich schäme mich nicht mehr für meine Behaarung. Ich weiß auch mittlerweile, dass es „normal“ ist, als Frau überall am Körper Haare zu haben. Wobei „normal“ ein blödes Wort ist. Es gibt keine normale Behaarung: Manche Leute haben so helle und dünne Haare auf ihrem Körper, dass sie fast unsichtbar sind, andere haben eine dunkle Ganzkörper-Lockenpracht, wieder andere eine bunte Mischung aus beidem. Das, was wir als „normal“ betrachten, ist das kleine Fenster, das uns in der Werbung gezeigt wird: Männer mit lückenfreien Dreitagesbärten und leichter Brustbehaarung neben aalglatten Frauen, deren einzige sichtbaren Haare auf dem Kopf wachsen. Natürlich gibt es Menschen, die genauso aussehen. Aber noch viel mehr sehen ganz und gar nicht so aus und das ist auch gut so, denn Vielfalt ist wunderbar!

Sicherlich können sich aber auch nicht alle Menschen mit ihrer Behaarung anfreunden und das müssen sie ja auch nicht. Ich bin mir aber auch sicher, dass es Viele gar nicht erst versuchen. Ich habe das auch lange nicht gemacht und es hat unzählige Haar-Entfernungs-Sessions gebraucht, bis ich (nachdem ich fast eine Stunde damit verbracht habe mein rechtes Bein zu epilieren und mein linkes dann noch vor mir hatte) gemerkt habe: ich möchte das nicht mehr – und ich muss das auch nicht! Der daran anschließende Gedanke war sofort: Aber was sagen die anderen Leute dazu? Mittlerweile ist das ein dreiviertel Jahr und einen langen, heißen Sommer her und ich habe gelernt: Es ist ganz egal, was andere Leute darüber denken. Ich genieße sogar manchmal entsetzte, verwunderte, irritierte Blicke auf meine unrasierten Beine in kurzer Hose und kann darüber lachen. Manchmal habe ich sogar die Hoffnung, dass die Menschen nicht bei dem Entsetzen, der Verwunderung oder der Irritation aufhören, sondern weiterdenken und begreifen, dass das, was sie da sehen natürlich ist – „normal“ ist. Genauso „normal“ wie das, was die Werbung ihnen zeigt. 

Ich kann auch rückblickend nicht mehr sauer auf die Kommentare von Anderen sein, sondern ich bin sauer auf die Werbung und die Schönheitsindustrie. Diesen beiden haben wir es immerhin zu verdanken, dass wir so verquere Körperbilder – und Körperbehaarungsbilder – in unseren Köpfen haben. Und natürlich fällt es dann sofort auf, wenn jemand diesen nicht „folgt“ oder zu ihnen „passt“ und was auffällt wird kommentiert – das ist ja nichts Neues. Was neu ist, ist der Umschwung, der gerade stattfindet oder zumindest so langsam ins Rollen kommt: Beispielsweise initiierte 2018 eine Theaterstudentin den #januhairy und damit den Aufruf, sich im Januar nicht zu rasieren – um sich mit der eigenen Behaarung bewusst auseinanderzusetzen, zu überlegen wie die eigene Meinung dazu wirklich ist, um zu erkennen und reflektieren, welche sozialen Standards es hier gibt, um diese auch kritisch zu hinterfragen und um sich vielleicht sogar mit dem Körperhaar anzufreunden. Dazu kommen unzählige Beiträge auf Social Media zum Thema Nicht-Standard-Körperbehaarung sowie eine immer größere Anzahl von Menschen, die sich trauen ihre Körper so zu zeigen wie sie sind und wie sie sich am schönsten finden – egal, wie es Andere sehen. Ich kann jede:n wirklich nur ermutigen sich – sei es im #januhairy oder wann anders – mit dem eigenen Körperbild und der Körperbehaarung zu beschäftigen. Mit der eigenen und mit der, die die Werbung uns zeigt. Und dann auch mal die eigene Einstellung dazu zu überdenken, zu hinterfragen und möglicherweise wegzukommen von einer Ansicht, die geprägt ist von völlig unrealistischen Idealen aus der Werbung oder anderen (sozialen) Medien. Körperbehaarung ist nicht schlimm, sie ist vor allem nicht eklig (und schützt im Genitalbereich nachweislich vor dem Eindringen von Keimen, Bakterien und Viren – also zum Beispiel auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten!) und am allerwichtigsten: sie ist normal. Wie jede und jeder am Ende damit umgeht, darf selbst entschieden werden: Haare weg, Haare da lassen, Haare alle 47 Tage entfernen, Haare nur zu bestimmten Anlässen entfernen – macht das, wie es euch am besten gefällt. Aber trefft die Entscheidung bewusst! Vielleicht können wir den nächsten #januhairy (oder gerne auch einen davon unabhängigen x-beliebigen Zeitpunkt) alle mal dazu nutzen, um unsere Einstellung zu Körperbehaarung von medial eingetrichterten Bildern und Ideen loszulösen und eigenständig auszurichten. Ich kann es euch nur empfehlen!


– Laura

“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.”

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Aha – die Körperbehaarung

Rasieren, epilieren, schneiden, zupfen, waxen, sugarn, lasern – die Liste der Haarentfernungs-Methoden ist lang und am Ende kosten alle meist viel Zeit, Geld, Nerven oder alles drei! Wer am Ende immer davon profitiert, ist die Schönheitsindustrie und im besten Fall auch das eigene Wohlbefinden.

Obwohl wir heute kaum noch Körperbehaarung haben, können sich Viele nicht damit anfreunden. Stellt euch mal vor wir wären noch genauso behaart wie unsere Vorfahren – ein dichtes Fell am ganzen Körper! Was heute davon übrig ist, ist wirklich nur noch das Nötigste: Haare, die uns schützen. Zum Beispiel die Augenbrauen schützen uns vor Schweiß in den Augen, Genitalhaare vor dem Eindringen von Keimen, Kopfhaare zum Sonnenschutz oder solche, die unsere körpereigenen Lockstoffe verbreiten, wie unter den Armen.

Aber mal von vorne: Haarentfernung ist nichts Neues und bereits in der Eiszeit vor 13.000 Jahren wurde zu langes Körperhaar entfernt – allerdings nicht aus ästhetischen, sondern praktischen Gründen: es war verdammt kalt und alles, was vom Körper abstand, lief Gefahr abzufrieren! Rasierer gab es damals noch nicht, deshalb wurden scharfe Steine oder Muscheln verwendet. Auch im altertümlichen Ägypten, antiken Griechenland oder alten Rom wurde Körperbehaarung fleißig entfernt, denn ein glatter Körper galt zum einen als Schönheitsideal – bei allen Geschlechtern! – zum anderen schütze er vor Läusen und anderen kleinen Tierchen, die sich gerne mal in warmen, feuchten, behaarten Körperregionen ansiedelten. Auch Bärte mussten dran glauben und selbst Pharaos schmückten ihr Gesicht meist lediglich mit einem Kunst-Bart. Zur Haarentfernung wurde oftmals Wachs oder ähnlich klebrige Substanzen, aber auch Bimsstein verwendet. Das war häufig gesundheitsschädlich, reizte die Haut – wurde aber dennoch ertragen. (Klingt nicht viel anders als manche Methoden heute, oder?)  

Als 1680 in der westlichen Welt das erste Rasiermesser auf den Markt kam, war es in der muslimischen Kultur bereits bekannt und verbreitet. Es dauerte dann eine ganze Weile, bis das Werkzeug zur Haarentfernung weiterentwickelt wurde; 1874 war es dann soweit und der erste Rasierhobel war erfunden. 1980 kam dann der heute immer noch verbreitete Systemrasierer und damit wurde das Tor zu einem riesigen Markt geöffnet. Dieser Markt lebt von dem 1915 in USA angestoßenen Ideal glatter, kahlrasierter (und dadurch „attraktiverer“) Frauen*körper, der spätestens nach dem 2. Weltkrieg auch nach Europa überschwappte und in Deutschland das während der NS-Zeit geprägte Bild der „deutschen“ Frau* mit üppiger, langer Körperbehaarung ablöste. Die Hippie-Bewegung brachte die Natürlichkeit und den „Busch“ in den 70er und 80er Jahren noch einmal zurück, konnte sich aber nicht durchsetzen und seit den 90ern sind jegliche Arten von Rasuren im Trend. Und eigentlich nicht nur im Trend, denn glatte Haut ist zu einer neuen Normalität geworden. Notwendig wäre ein kompletter Kahlschlag heutzutage aber nicht mehr: Unsere Hygienestandards sind so hoch, dass wir uns – außer am Kopf –  keine Sorgen über Läuse und Nissen machen müssen. Es ist mittlerweile eher das Problem, dass durch Rasuren, vor allem im Intimbereich, kein körpereigener Schutz vor eindringenden Bakterien oder Viren mehr besteht und deshalb nachweislich sexuell übertragbare Krankheiten bei komplett rasierten Personen größere Chancen haben als bei denen, die das ein oder andere oder auch alle Haare stehen lassen.

Neben dem hygienischen war schon immer der ästhetische Aspekt ein Grund zur Enthaarung – und dieser überwiegt heute bei den meisten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es eine reine innere Motivation ist, sich – je nach Ausprägung der Haarprachten –  mehr oder weniger mühsam und zeitintensiv jegliche Haare zu entfernen, oder ob dieser scheinbar innere Wunsch nach einem „schöneren“ Körper nicht geprägt ist durch die Schönheitsindustrie und Werbung. Überall finden sich Bilder von aalglatten Frauen*körpern, selbst in der Werbung für Frauen*-Rasierer finden sich nur selten behaarte Körperteile, die rasiert werden – oft sind die schon vorher haarlos. Das kreiert ein völlig falsches Bild von Körperbehaarung bei Frauen*, denn nicht alle sind mit dünnen, kaum sichtbaren Härchen versehen. Genauso ist es bei Männern*: Lifestyle-Zeitschriften schreiben immer wieder darüber, dass Rückenbehaarung nicht gewünscht sei, dass Brust- oder Achselbehaarung nur bis zu einem gewissen Grad „sexy“ wäre und dass Intimbehaarung den Penis klein wirken ließe und deshalb lieber weg solle. So entstehen Idealbilder und –vorstellungen, die sich in den Köpfe der Menschen einprägen und denen nachgeeifert wird. Und die Schönheitsindustrie freut sich: Enthaarungscremes, -gels, -pasten, Heißwachs, Kaltwachs, Einwegrasierer, Trockenrasierer, Nassrasierer, Epilierer, Sugaring-Pasten, Pinzetten, Lasergeräte… All das wird den Menschen präsentiert und mit verqueren Körperbildern beworben. Was dabei nicht erwähnt wird: Hautreizungen und -irritationen, Schnitte, eingewachsene Haare, allergische Reaktionen sowie sonstige ungewollte Nebeneffekte und, nicht zuletzt, der große mit der Haarentfernung verbundene Aufwand.

Doch so langsam gibt es wieder einen stärkeren Gegenwind: 2018 initiierte eine Theaterstudentin den #januhairy – ein Aufruf sich im Januar nicht zu rasieren. Zweimal wurde die Aktion bereits wiederholt und auch 2021 wird sie wohl wieder stattfinden. Viele Menschen nutzen den Hashtag sowie den damit einhergehenden Support durch eine große Online-Community von Gleichgesinnten als Anlass, ihr Körperhaar wachsen zu lassen, sich bewusst Gedanken über dessen Entfernung zu machen, sich selbst neu zu sehen und sich vielleicht auch mit dem sonst so verpönten Haar anzufreunden. Natürlich greifen am 1. Februar viele gleich wieder zum Rasierer, ein großer Teil aber auch nicht oder nicht mehr so häufig. Das ist auch völlig okay, denn der #januhairy ist nicht dafür da, Haarentfernung zu verteufeln, sondern um einen bewussten Umgang mit dem eigenen Körper und der Behaarung anzuregen sowie gängige Bilder, Ideale oder Werbungen zu hinterfragen und das eigene Verhalten zu reflektieren.

Der nächste Januar kommt bestimmt, ihr müsst aber nicht bis dahin warten, um euch bewusst mit eurer Körperbehaarung und eurer Haltung dazu auseinanderzusetzen. Fangt doch gleich damit an! Dann seid ihr direkt vorbereitet, wenn der #januhairy vor der Tür steht! 

– dieser AHA-Beitrag wurde von Laura recherchiert und geschrieben.

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Soziale Erwartungen beim Sex

Du willst, du kannst, du musst – am Besten du hast Lust?

Die meisten Menschen schließen die Tür hinter sich beim Sex – sollte da gesellschaftlicher Druck nicht auch draußen bleiben? Trotzdem haben wir ziemlich genaue Vorstellung, davon, was wir „leisten“ sollen.

„Ich muss unbedingt zum Orgasmus kommen!“ „In dem Porno haben die das aber so gemacht“ „Wenn ich das nicht mag, kann doch irgendwas nicht mit mir stimmen?!“ Sowas haben wir uns mit Sicherheit alle schon einmal gefragt – aber woher kommt das? 

Oft wird der öffentlicher werdende Diskurs über Sex dafür verantwortlich gemacht. Dabei ist  Diskurs doch eigentlich die Lösung – öffentlich und untereinander. Erfahrungsaustausch und Aufklärung kann uns Angst nehmen und vor Augen führen, dass alles was wir an uns für falsch halten ganz normal ist. Wenn wir es schaffen, Sex als individuellen und oft holprigen Erfahrungsprozess zu normalisieren, können wir das in die Kommunikation vor, beim und nach dem Sex mitnehmen. Es erscheint also nicht sinnvoll, Pornos und andere auf uns einprasselnde sexuelle Vorstellungen zu verbannen, sondern zu filtern und darüber zu sprechen. Was davon tut mir gut und was verzerrt meine eigenen Erwartungen? Wann wird „das kann so sein“ zu „das muss so sein“? Diese Grenze wird für jeden an einer anderen Stelle liegen, denn Sex ist vor allem eins: individuell. Es geht also um eure gegenseitigen Bedürfnisse und nicht darum, eine Performance abzuliefern. Welche Bedürfnisse das sind kann man aber nicht im Internet nachgucken, sondern nur durchs Ausprobieren herausfinden. Immer nach dem Motto: Es muss sich gut anfühlen und nicht gut aussehen.

Die gute Nachricht ist, dass es Anderen auch so gehen wird!  Also schärft euren Blick für Situationen und Einflüsse, die euch unter Druck setzen und nehmt eure gegenseitigen Ängste Ernst. Sprecht darüber und atmet vor allem einmal tief ein und aus: Sex ist kein Schauspiel

– Mathilda 


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Keinen Sex zu haben ist okay!

Keinen Sex zu haben ist okay!

Ich finde, diese Botschaft kommt oft zu kurz. Warum?

In meinem privaten Umfeld und durch großartige Initiativen wie dieser nehme ich einen Aufschwung von sexueller Liberalisierung wahr. Dabei werden wichtige Schritte in Richtung Gleichberechtigung, sexuelle Vielfalt und freie Persönlichkeitsentfaltung gegangen. Gerade junge Menschen verstehen ihre Lust und ihre Vorlieben nicht als peinlich oder abnorm, sondern als wichtigen Teil ihrer selbst.

Mir begegnen dabei immer häufiger Wendungen wie „sich ausleben“ oder „sich ausprobieren“: Eine Freundin, die gerade nach langer Beziehung ihre neue Unabhängigkeit für sexuelle Kontakte nutzt, muss sich eben mal „ein wenig ausleben“. Ein Kollege, der jahrelang kein Kind von Traurigkeit war, ist nun in einer ernsthaften Beziehung, weil er sich jetzt „genug erforscht“ hat. In Sätzen wie diesen schwingt mit, dass für ein erfülltes Leben unbedingt viel Sex erforderlich ist, am besten mit möglichst vielen verschiedenen Personen. Sexualität dahingehend als etwas sehr Positives wahrzunehmen ist richtig und wichtig, aber es fehlt die Alternative. Die Aussagen legen den Umkehrschluss nahe, dass kein oder wenig Sex bedeutet, man kenne sich selbst nicht genug oder habe nicht richtig gelebt. Menschen, die nicht können, wollen, oder auch schlichtweg nicht so erfolgreich bei der Partner*innensuche sind, werden vergessen. 

Ist ihr Leben also weniger wert, da sie sich „nicht erforscht“ haben? Auf keinen Fall! Dass Sexualität wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung ist, bedeutet nicht, dass sich dies in mannigfaltigen sexuellen Beziehungen niederschlagen muss. Wenn Menschen aber dieses Bild annehmen und reproduzieren, sind Minderwertigkeitsgefühle vorprogrammiert. Ich denke, dass das für a-sexuelle Menschen oder solche, die aus anderen Gründen nicht möchten, traumatisierend sein kann. Personen, die wollen, aber kein großes Geschick aufweisen, könnten sich als Versager*innen wahrnehmen, für die Sex entweder unliebsame Pflicht wird oder die ihn sich übergriffig einfordern. So kann der Drang, Sexualität als Spaß für alle zu etablieren, anderen denselben nehmen. Entwicklung kommt aber nicht durch ausgelebte Sexualität per se, sondern durch den reflektierten Umgang mit ihr. Es ist also wichtig zu verstehen und auszudrücken, dass auch kein oder wenig Sex vollkommen normal ist und die Persönlichkeitsentwicklung genauso voranbringt. 

Sex ist für manche ein wichtiger Teil der Persönlichkeit, für andere aber auch nicht – und das ist genauso okay. Sex ist für viele schön und toll, aber nicht für alle. Es ist ein wichtiges Thema, aber Sex ist nicht das Wichtigste auf der Welt. Ich hätte mir für meine eigene Entwicklung gewünscht, dass ich diese Botschaft in meinem Leben mehr gehört hätte. Um ehrlich zu sein, wünsche ich mir das auch heute noch. 

– dieser Blog wurde verfasst von Friedrich.

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Genderst du?

…und wenn ja, wie? Vor- und Nachteile der Gendervarianten

Genderst du? …das haben wir euch gefragt 🌈 Eure Antworten waren super interessant (siehe Story). Katha hat euch mal einen Überblick über die Pro’s und Con’s gängiger Gender-Methoden erstellt:

1. Die Paarform: sowohl weibliche als auch männliche Form nennen, z.B. Schülerinnen und Schüler. 🟢 PRO: Zwar werden hier Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen, aber 🔴 CON: Alle, die sich nicht als solche definieren, also non-binäre, Trans- oder intersexuelle Personen, nicht. Diese Methode ist nicht inklusiv.

2. Das Gendersternchen: Es ist inzwischen ziemlich etabliert, wie wir auch in der Umfrage sehen, z.B. Schüler*innen 🟢 PRO: Ursprünglich kommt es aus der Programmiersprache, in der das Sternchen ein Platzhalter für alles mögliche sein kann. Es ist sehr queer-freundlich und inklusiv. Außerdem ist es ein schönes, positives Symbol, mit dem sich viele wohlfühlen. Zumindest fällt es leicht, das Sternchen mit Diversität zu assoziieren. 🔴 CON: Der große Nachteil des Sternchens ist, dass er von Vorleseprogrammen, die beispielsweise blinde Menschen verwenden, nicht erkannt wird. Das Programm liest also Schüler Stern Innen. Das Sternchen ist also leider bislang nicht barrierefrei. 

3. Der Doppelpunkt: Man sieht ihn in letzter Zeit immer häufiger denn: 🟢 PRO: Er ist barrierefrei und wird von besagten Programmen als kleine Pause vorgelesen. Darin, dass seine ursprüngliche Funktion auch ist, vor einer Aufzählung zu stehen, kann man seine Inklusivität sehen. 🔴 CON: Möglicherweise ist er als Zeichen zu stark in anderen grammatikalischen Zusammenhängen verwendet. Manche finden, er liest sich für alle, die kein Vorleseprogramm verwenden, sogar zu flüssig. Denn ist nicht das „kurz-drüber-Stolpern“ Teil des sich Bewusstwerdens und die Irritation notwendig, um Veränderungen zu schaffen?

4. „neutrale“ Formulierung: Neutrale Form des Wortes oder die „nd“ Form, also Teilnehmende, Studierende, … Das ist grammatikalisch zwar nicht dasselbe, oft aber eine gute Option. Neutrale Alternativen für Wörter findet ihr auch im folgenden Lexikon ➡️ https://geschicktgendern.de/ ⬅️ Große Empfehlung!! 🌈🌈🌈

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Buch: Coming Soon

„Wenn wir eine Sache beherrschen wollen, üben wir: Wer gut Klavier spielen will, nimmt Unterricht, wer tanzen will wie eine Ballerina, trainiert regelmäßig.“

Dania Schiftan

„Dieser Grundsatz gilt in allen Lebensbereichen- nur beim Sex denken wir, dass alles von selbst klappen muss. Wie falsch diese Annahme ist, belegen die Zahlen: Nur jede dritte Frau kommt beim Geschlechtsverkehr regelmäßig zum Höhepunkt.“ – Dania Schiftan

Dania Schiftan betont in ihrem Buch „Coming Soon- in zehn Schritten zum vaginalen Höhepunkt“ ganz klar die Bedeutung der regelmäßigen Übung als Mittel zum besseren Sex. Dabei geht es um weit mehr, als, wir der Titel verspricht, einen vaginalen Orgasmus zu erreichen. Sie will uns helfen, unser Empfindungsspektrum zu erweitern und regelmäßiger und leichter Orgasmen zu erreichen. So beginnt sie direkt am Anfang, uns auf die Anatomie unseres eigenen Körpers aufmerksam zu machen, darauf, dass die Klitoris nicht nur eine winzige Perle auf der Vulva ist, sondern auch mit zwei Schenkel den Scheideneingang umschließt und daher viele Orgasmen von der Klitoris ausgehen. Die Begriffe „Vulva“ und „Vagina“ werden unterschieden und beide Körperteile illustriert dargestellt.

Die Autorin geht auch auf die verschiedenen Größen und Formen der Geschlechtsorgane ein, um uns zu ermutigen, sie nicht mehr pikiert aus der Distanz zu betrachten, sondern sie zu lieben und als aktiven Teil unseres Körpers wahrzunehmen.

Ein wichtiger Bestandteil der Anleitung zu besseren Orgasmen ist die Sensibilisierung der Vagina und der Vulva. Dania Schiftan empfiehlt, sie regelmäßig abzutasten, um zu verstehen, welche Stellen rau, glatt oder geriffelt sind, zum Beispiel, damit man selbst die G-Zone von der weiteren Schleimhaut unterscheiden kann. Außerdem kann man so ertasten, in welchen Bereichen man mehr empfindet und welche noch nicht ausreichend sensibilisiert sind.

Nach Dania Schiftans Übungsprinzip kann man daran nämlich etwas ändern: erstens, indem man sich regelmäßig betastet und zweitens, indem man dem Körper andere Erregungsmuster antrainiert.

Der Körper sei nämlich an die Techniken gewöhnt, die man normalerweise bei der Masturbation anwende.

In einem Kapitel geht es besonders darum, Kindheit, Pubertät und die Entwicklung der eigenen Sexualität zu verstehen. Liege man zum Beispiel immer steif da und berühre nur mit einem Finger die Klitoris, so sei es sehr schwer, bei der alleinigen Penetration beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus zu erreichen.

Sie schlägt vor, kleine Details während der Masturbation zu verändern, zum Beispiel auch die Vagina miteinzubeziehen, bis zu dem Punkt, an dem es keinen Spaß mehr mache, dann solle man wieder dem „Gewohnten“ nachgehen und von vorne anfangen. So könne man dem Körper weitere Erregungsmuster angewöhnen.

Das gelte auch für Männer; sie könnten sich angewöhnen, sofern es Probleme bereite, ihren Penis mit weniger Kraft zu masturbieren, um auch mit weniger starken Stimulation beim Geschlechtsverkehr zu kommen.

Besser durchblutete Körperregionen spürt man besser. Weil dem so ist, kann aktive Bewegung sowohl beim alleinigen als auch gemeinsamen „Bettsport“ helfen, mehr zu empfinden. Man spürt die Erregung durch den Körper fließen, entspannt sich eher.

Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur können dabei auch unterstützen.

Wie Entspannung und Anspannung bei der Erregungssteigerung bis zum Orgasmus zusammenarbeiten, wird ebenfalls erläutert.

Für die Beziehung folgen auch ein paar Tipps: mehr Kommunikation und Egoismus beim Sex!

Am Ende ihres Buches nennt Dania Schiftan noch verschiedene „Erregungstypen“, die die Arten, wie viele Frauen sich für gewöhnlich erregen und wie sie masturbieren, darstellen.

Ihr Buch ist insgesamt ein wirklich lesenswertes. Sie lädt ihre Leserin zum Mitmachen ein, gibt Tipps, erzählt Geschichten aus ihrer Praxis. Das Buch kann helfen, sich über seinen eigenen Körper klar zu werden und mit mehr Gelassenheit an Masturbation, Sex und „das Mysterium Orgasmus“ heranzugehen, ganz nach dem Motto: „Es funktioniert alles mit ein bisschen Zeit und Fingerspitzengefühl.“

– Lea 

“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.”

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AHA, Masturbation!

Man tut´s oder doch nicht und wenn ja, redet man lieber nicht darüber?

Masturbation war lange mit der Begründung tabuisiert, sie mache krank und schwäche den Körper – dabei ist sie weder gesundheitsschädigend noch anormal; im Gegenteil, sie fördert die Gesundheit und wird von Menschen wie Tieren weit verbreitet gerne praktiziert. Trotzdem bleibt die Selbstliebe weiterhin ein Thema, das instinktiv Scham bei den Meisten auslöst und selten wird offen darüber gesprochen.

Demgegenüber wollen wir einige positive Effekte der Selbstbefriedigung stellen.

Erstens: Wer die Anatomie seines Körpers kennt und sich selbst berührt, kann leichter verstehen, was ihm oder ihr gefällt und wie man zum Beispiel gerne mit jemand anderem Sex haben würde. 

Dania Shiftan erklärt in ihrem Buch “Coming Soon” unter anderem, wieso viele Frauen nur bei Stimulation der Klitoris einen Orgasmus erreichen oder wie sich Sexfantasien erklären lassen. Eine große Rolle spielt dabei die Gewöhnung, da das Gehirn bestimmte Erregungsmuster abspeichert. Diese kann man sich auch “antrainieren”, indem man seinen Körper besser erforscht, sich genau abtastet oder bei der Masturbation kleine Details verändert, die mit der Zeit  ermöglichen können, auch mit anderen Techniken als den gewohnten einen Orgasmus zu erreichen.  

Zweitens: Man trainiert bei der Masturbation aufgrund deren Kontraktion automatisch die Beckenbodenmuskulatur, die Männern und Frauen intensivere Orgasmen verspricht. 

Einige medizinische Studien legen sogar nahe, dass bei Männern regelmäßige Ejakulationen das Risiko von Prostatakrebs senken, dies ist jedoch nicht ausreichend belegt. 

Drittens: Nach einem Orgasmus fühlen wir uns entspannt und glücklich, das liegt an der Hormonausschüttung unseres Körpers.

Dabei gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau:

Nach dem Orgasmus zeigen Männer einen starken Abfall des Adrenalins und Noradrenalins im Blut, während die Hormone Oxytocin und Prolaktin ansteigen. Deshalb fühlen sie sich meist schläfrig nach dem Orgasmus.

Auch bei Frauen werden beim Orgasmus Glückshormone ausgelöst, jedoch steigt auch der Noradrenalin- und Adrenalinspiegel im Blut, weswegen sie sich nach dem Orgasmus wacher fühlen.

Ob wach und erfrischt oder entspannt und schläfrig: ein Orgasmus löst positive Gefühle in uns aus! Er kann sich zum Beispiel auch entkrampfend auf Periodenschmerzen auswirken oder uns tiefer und erholsamer schlafen lassen.

Verschiedene Umfragen im Internet kommen unter dem  Strich zu dem Ergebnis, dass ungefähr 90% aller Männer und 85% aller Frauen masturbieren. Dabei soll von einer hohen Dunkelziffer auszugehen sein, sodass man davon ausgeht, dass praktisch alle Jugendlichen ab der Pubertät regelmäßig masturbieren, bis die Zahlen im höheren Alter wieder sinken, schreibt Wikipedia dazu.

Männer masturbieren in der Regel jedoch deutlich häufiger als Frauen. 

Bei der Technik ist zu vermerken, dass Frauen häufiger auf Hilfsmittel zurückgreifen, in einer “Women´s Health”-Umfrage gaben 37% an, gerne einen Vibrator zu benutzen. Meistens stimulieren sie Klitoris und die umliegende Vulvazone, um zu einem Orgasmus zu kommen, andere stimulieren ihre G-Zone. 

Jungen beginnen mit einem durchschnittlichen Alter zwischen 12-14 Jahren früher als Mädchen mit der Selbstbefriedigung, die durchschnittlich etwas später in den Teenager-Jahren damit beginnen. Manche entdecken ihre Sexualität jedoch schon deutlich früher in der Kindheit; auch dies ist normales, vorkommendes Verhalten.

Männer masturbieren im jugendlichen Alter quasi täglich, wobei sie sich üblicherweise mit einer Bewegung der Vorhaut über den Penis und insbesondere der Eichel stimulieren oder durch Streichen der Hand über das Glied.

Verschiedene Umfragen ergeben, dass sie dabei häufiger als Frauen pornografische Videos als Hilfsmittel verwenden.  

… Und was kannst du jetzt mit diesen Informationen anfangen?

Zusammenfassend lässt sich natürlich  sagen, dass keine Statistik Rückschluss auf deine eigene Autosexualität geben kann oder sollte- was dir gefällt, musst du selbst herausfinden: mit Geduld, Gelassenheit und – ganz wichtig- sehr viel Selbstliebe.

– Lea

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Serie: Friends – Über die erogenen Zonen der Frau

Um diese Szene geht es: https://www.youtube.com/watch?v=mdK6LVDI3kg&feature=youtu.be

In der Kultserie “Friends” aus den 90er Jahren erklärt Monika ihrem guten Freund Chandler die erogenen Zonen der Frau. Chandler hat eine neue Freundin und äußert die Angst, im Bett nicht gut genug zu sein. Diese Szene ist vor allem einfach mega witzig und man kann sich ziemlich gut mit den Figuren identifizieren. Mein erster Gedanke war: Danke Monika, du bringst es einfach auf den Punkt und es wird wieder mal offenbart, dass eine riesige Wissenslücke existiert, was die weibliche Lust angeht. Ist es nicht erschreckend, dass schon in den 90ern öffentlich im Fernsehen über erogene Zonen gesprochen wurde und trotzdem heute immer noch viele Menschen denken, dass penetrierender Sex das einzig wichtige ist? Wie in der Szene deutlich wird, gibt es gerade bei Frauen noch viel mehr zu entdecken. Viele Frauen können durch penetrierenden Sex zum Beispiel gar nicht zum Höhepunkt kommen. 

Ein weiteres ziemlich großes Problem offenbart diese Szene: Sex wird als Performance, als eine Leistung dargestellt. Chandler will nicht nur gut sein, sondern außergewöhnlich – und vor allem besser als sein Freund Joey. Wer ist besser im Bett? Wer hat die krassesten Skills? Tipps, wie du es ihr richtig machst? Das ist alles wirklich Quatsch! Jeder hat unterschiedliche Vorlieben und andere erogene Zonen. Das wichtige ist doch das zu kommunizieren, was wir wollen, und nicht darauf zu warten, dass eine andere Frau das für uns erledigt und erstmal eine Zeichnung anlegen muss. Es gibt keine Anleitung, wir sind alle individuell! Was ich Chandler raten würde: Er soll doch besser mit seiner Freundin darüber sprechen, was ihr gefällt und dann wird er nicht abliefern oder gut sein, sondern sie haben vielleicht einfach guten Sex, gemeinsam. Naja, eins muss ich ihm lassen, er versucht es wenigstens.

– Lili

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Buch: Hite Report

„Macht Ihnen Masturbation Spaß?“ 

Das ist eine der vielen Fragen, die Shere Hite (eine amerikanische Sexualwissenschaftlerin) in den Siebziger Jahren in einem Fragebogen zusammenstellte und tausenden Frauen zur Beantwortung schickte. Ihr Buch, der „Hite Report“ fasst die Antworten von 3019 unterschiedlichen Frauen zusammen.

Als ich das Buch in die Hand nahm, war ich nicht sicher, ob es nach fast 50 Jahren noch immer Relevanz und Aktualität haben könnte. Aber kaum ein Gedanke, kaum eine Sorge oder Angst, von denen die Frauen erzählen, scheint mir heute überwunden zu sein. 

An dieser Stelle sei gesagt, dass das Buch hauptsächlich auf heterosexuelle Cis-Frauen eingeht. Es wurden zwar auch lesbische Frauen befragt und ein extra Kapitel „Lesbische Liebe“ verfasst, in dem auch Bisexualität thematisiert wird, im Vordergrund stehen dennoch Konflikte, die viele Frauen in heterosexuellen Beziehungen und vor allem durch das patriarchale Verständnis weiblicher Sexualität haben.

Welche Mythen über den weiblichen Orgasmus sind uns nicht schon begegnet? Wie oft können wir uns dabei erwischen, diesen Mythen doch noch ein bisschen zu glauben? 

Beim Lesen beachten sollte man, dass die Klitoris in den Siebzigern noch nicht ausreichend erforscht war (und ist es vermutlich bis heute nicht). Daher sind in diesem Zusammenhang nicht alle Informationen im Buch  korrekt oder umfassend genug (beispielsweise was den Verlauf der Klitoris im Inneren des Körpers betrifft oder die Stimulation durch die Vagina) . 

Die unfassbar ehrlichen, intimen und sehr persönlichen Erzählungen der Frauen sind jedenfalls alles andere als statische Zusammenfassung. Jede Antwort erzählt von einem eigenen Leben. Mich überkamen beim Lesen abwechselnd Gefühle von großer Verbundenheit, Rührung, Wut, Neugier und Stärke. Hite probiert nicht, die Antworten zu bekommen, die sie haben will. Sie lässt Unterschiede zu. Vor allem aber zweifelt sie nicht an den Frauen, ihren Erfahrungen und Empfindungen. Ich frage mich: Was wäre in meinem eigenen Leben anders gewesen, hätten alle meine Partner dieses Buch gekannt? Den Fragebogen  für sich selbst (oder mit dem Partner oder der Partnerin) zu beantworten, wäre eine fantastische Möglichkeit sich (und die andere Person) besser kennenzulernen und ihre Bedürfnisse zu verstehen…. 

Hite hat außerdem weitere Bücher  wie „Das sexuelle Erleben des Mannes“ (1981) und „Vom Stolz eine Frau zu sein“ (2003) geschrieben. Am 09.09.2020 ist Shere Hite im Alter von 77 Jahren gestorben. Lasst uns diese beeindruckende Frau und ihr Werk nicht vergessen! 

– Katha 

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Song: „Let´s Generalize About Men“

„A song that manages to be feminist and anti-feminist at the same time”

Das sagt die Schauspielerin und Sängerin Rachel Bloom über den Song „Let’s Generalize About Men“, den sie als Rebecca in der Fernsehserie „Crazy Ex-Girlfriend“, zusammen mit ihren Freundinnen, singt. Die millionenfach geklickte und auf Twitter verbreitete Musical-Nummer erinnert mit aufwendig geföhnten Frisuren, Schulterpolstern und der nicht zu verkennenden Ähnlichkeit zu The Weather Girls „It´s Raining Men“ stark an die Achtzigerjahre.

Der Titel, „Let´s Generalize About Men“, deutet schon auf eine eher ironische Message hin, denn immerhin wird ganz offen zum Verallgemeinern von Männern aufgerufen. 

Laut Rebecca und ihren Freundinnen sind ALLE 3,6 Milliarden “Männer” eigentlich nur primitive, vulgäre und verklemmte Monster, die ständig an Sex denken – naja – zumindest hetero-Männer. Denn im Song sind sich alle einig, „gay men are all really great, adorable and fun“. 

Kein Mann hört jemals wirklich zu und auch die Söhne von Rebeccas Freundin sind nur heranwachsende Vergewaltiger.

Gleichzeitig wird sich aber auch darüber lustig gemacht, dass es Teil der Heterokultur ist, wenn Frauen Männer derart verallgemeinern, fast wie ein Ritual, damit sie sich besser fühlen.

Das Lied verspottet Heuchelei, ist aber auch so extrem übertrieben, dass es beinahe therapeutisch Charakter hat, einfach mal loszulassen und bei einem Glas Wein mit seinen Freunden zu (ver)urteilt.

Ein feministisches und doch zugleich anti-feministisches Lied? 

Die Pauschalisierungen und Lästereien im Lied über Männer sind reine Übertreibungen und beim besten Willen nicht feministisch. Feministisch ist es, soziologische Implikationen von Männlichkeit zu hassen, ohne Männer zu hassen, genauso wie man die soziologischen Implikationen des „white privilege“ hassen kann, ohne weiße Menschen zu hassen. Toxische Männlichkeit kann zutiefst verurteilt werden, ohne dabei alle Formen von Männlichkeit zu beschimpfen. Allerdings muss vielleicht gerade darin eine Freiheit von Frauen und Feminist*innen liegen, um auf strukturelle Probleme aufmerksam zu machen.

Daneben werden andersrum auch Frauen und Feministinnen im Song verallgemeinert, indem ihre Leiden als sehr leichtfertig angesehen werden. Hierbei wird „female empowerment“ stark, aber satirisch kritisiert.

Man sollte dieses Lied also nicht zu ernst nehmen, denn die „Comedy“ und Satire springt einem förmlich ins Gesicht.

Ein Lied, das sich über beide Geschlechter lustig macht, ohne zu verteufeln. Es ist ein fantastisches Beispiel für gelungene Satire.

Außerdem ist es unglaublich „catchy“ und die Darbietung ist wunderbar.

-Luca

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