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Bin ich nicht feucht genug oder ist es Vaginismus?

„Du bist doch bestimmt nur zu trocken.“ „Hast du‘s schonmal mit Gleitgel probiert?“ „Also mein erstes Mal war auch unangenehm.“ „Tut das wirklich so weh? Kann ich mir nicht vorstellen.“ „Was ist, wenn du einfach mal versuchst locker zu lassen?“ 

Das alles waren lieb gemeinte Vorschläge, die mir gegeben wurden, damit ich mich besser fühlen sollte. Leider bewirkten sie bei mir genau das Gegenteil. Und zwar vermittelten sie mir das Gefühl, dass die sexuelle Schmerzerkrankung Vaginismus, an der ich leide, nicht ernst genommen wird. Denn: JA, ich habe schonmal Gleitgel verwendet. JA, ich versuche jedes Mal mit aller innerlicher Kraft locker zu lassen und JA, es tut SO weh. 

Natürlich ist mir bewusst, dass mir meine Freund*innen mit diesen Ratschlägen nur helfen wollten, weil sie zu dem Zeitpunkt noch nie von dieser Krankheit gehört hatten und nicht nachvollziehen konnten, dass Sex so weh tun kann. Umso wichtiger ist es, darüber aufzuklären.  

Ich leide unter dem sogenannten primären Vaginismus. Das heißt, es gab kein ausschlaggebendes Ereignis in meinem Leben, das diesen ausgelöst hat, sondern er entstand bei mir unter anderem durch eine große Angst nicht zu genügen, die mich täglich in vielen verschiedenen Lebensbereichen schon seit Jahren begleitet. Zudem hatte ich, als ich mit 13 Jahren meine Periode bekam, eine sehr negativ behaftete Beziehung zu meinem Intimbereich, welchen ich mit allergrößter Scham und Angst verband. Da ich meinen Intimbereich damals ausschließlich mit emotionalem Stress verknüpfte, setzte sich dies so in meinem Kopf fest, dass es meinen heutigen Bezug zu meinem Sexualleben immer noch beeinflusst, auch wenn ich jetzt sehr positiv meinem Intimbereich gegenüber eingestellt bin. 

Dann kam mein erstes Mal penetrativer Sex. Ich wollte es unbedingt und versuchte es mit aller Kraft. Aber es ging einfach nicht. Ich dachte es läge daran, dass mein Hymen zu dick wäre und einfach nicht reißt. Dass dies sowieso ein absoluter Irrtum war, da das Hymen keine verschlossene Haut ist, sondern eher eine Art Kranz hinter dem Vaginaleingang, war mir damals nicht klar (alles rund um das Hymen kannst du in unserem AHA-Post vom 22.02.2021 nachlesen). 

Als es dann nach etlichen schmerzhaften Versuchen endlich funktionierte, dass zumindest jemand in mich eindringen konnte, war ich so glücklich, dass ich nicht weiter darüber nachdachte. Erst eine ganze Weile später hörte ich zum ersten Mal den Begriff „Vaginismus“. Damals dachte ich aber, dass es sich nur um Vaginismus handeln könne, wenn man absolut nichts in die Vagina einführen kann. Nicht mal, als mir dieser Irrtum dann bewusst wurde, setzte ich meine Probleme beim penetrativen Sex mit dieser Erkrankung in Verbindung. Vaginismus war für mich ganz weit weg, obwohl ich jedes Mal, wenn eine Person in mich eindrang, das Gefühl hatte, von innen aufgespießt zu werden (ja hört sich dramatisch an, hat sich aber leider so angefühlt).  

Interessant wurde es, als ich eine Zeit lang mit jemandem intim war, bei dem ich keinen Druck verspürte zu genügen. Die Person lag mir nicht sonderlich am Herzen bzw. hatten wir keinen emotionalen Bezug zueinander. Und plötzlich klappte es mit der Penetration ohne große Probleme. Meistens sogar schmerzfrei. 

“Was war da falsch? Warum hatte ich bei der einen Person höllische Schmerzen und bei der anderen wiederum gar keine?” dachte ich mir. Hätten diese sich anatomisch unterschieden, hätte ich ja eine logische Erklärung gehabt, nur war es nicht so. Da war der Punkt erreicht, an dem mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass dies keine körperliche Ursache haben kann.  

Meine Diagnose „Vaginismus“ bekam ich dann etwa ein halbes Jahr später. Ich erzählte meiner Gynäkologin von meinen Problemen und sie fand heraus, dass ich an dieser Krankheit leide. Wäre ich früher dort gewesen, hätte ich mir vielleicht 1,5 Jahre Rätseln sparen können, aber zumindest wusste ich endlich was mit mir los war und fing an, mich mit Behandlungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Ich las ein Buch über die Erkrankung, kaufte mir Vaginaldehner, auch bekannt unter dem Begriff „Dilatoren“ und fing an, meine Beckenbodenmuskulatur zu trainieren. Schritt für Schritt wurde es besser.  

Ich lebe bis heute mit dieser Erkrankung und habe leider noch keinen Weg gefunden, meinen Vaginismus endgültig zu besiegen. An manchen Tagen habe ich gar keine Schmerzen, an anderen nur anfangs und manchmal wiederum halte ich es nicht aus. Ich habe für mich gemerkt, dass dies ganz viel mit meiner psychischen Verfassung zusammenhängt. Je selbstbewusster ich mich fühle, umso besser funktioniert der penetrative Sex und umso mehr kann ich mich dabei entspannen. Bei mir ist es eine Sache des Selbstwertgefühls und des Gefühls, nicht zu genügen. Es ist wahnsinnig schwierig. 

Also an alle lieben Menschen da draußen, denen schonmal ein*e Freund*in mit weiblichem Geschlechtsorgan anvertraut hat, dass er*sie Schmerzen beim Sex hat oder es überhaupt nicht funktioniert: Ja, Gleitgel kann helfen. Aber manchmal liegt das Problem etwas tiefer, als „nur“ bei einer zu trockenen Vagina.  

– dieser Blogartikel wurde von Leonie verfasst.

“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.” 

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Scham: Check your privileges!

Wer über Scham redet, muss auch über Privilegien reden. Ich schäme mich dauernd, bestimmt täglich, für irgendetwas – und trotzdem ist es wichtig, mir vor Augen zu halten, wie verdammt privilegiert ich in diesen Situationen bin. Tust du das auch? 


Ich bin eine weiße cis Frau (cis = ich identifiziere mich mit dem Geschlecht, das mir bei meiner Geburt zugewiesen wurde). Ich erfahre Diskriminierung, weil ich eine Frau bin, aber ich bin auch unglaublich privilegiert, weil weiß bin, weil ich cis bin, weil ich dünn bin. Wenn ich beschließe, am See meinen Bauch in die Sonne zu halten, dann mag mich das vielleicht Überwindung kosten, denn natürlich darf auch ich meine Unsicherheiten haben. Trotzdem entspreche ich mit meiner Hautfarbe und meiner Figur dem westeuropäischen Schönheitsideal und deshalb ist es eben nur eine Unsicherheit und keine Angst. Wenn ich meine Beine nicht rasiere, dann darf ich mir zwar garantiert doofe Sprüche anhören, aber ich erfülle immer noch dieses Schönheitsideal und schlimmer als eine oder zwei Bemerkungen wird es vermutlich nicht werden. 

Eine Person, die von dieser gesellschaftlichen Norm abweicht, weil sie beispielsweise dick ist oder of Colour oder trans*, muss mit Diskriminierung, body shaming oder sogar verbaler oder physischer Gewalt rechnen, in Alltags-  und erst recht in Badekleidung am See. So einer Person zu sagen „Schäm dich einfach weniger!“ wäre dreist – nicht, weil diese Personen sich schämen sollten, sondern weil ihnen garantiert öfter als mir das Gefühl gegeben wurde, dass sie sich schämen müssten. Anders als eine trans* Frau lebe ich nicht mit dem Druck, anderen mein Geschlecht “beweisen” zu müssen. Wenn ich behaarte Beine habe, wird das vielleicht als “unweiblich” bezeichnet, aber niemand wird mir tatsächlich meine Weiblichkeit absprechen wollen. 

Wir leben in einer Welt, in der es leichter ist, wenn man sich anpasst und die Erwartungen anderer erfüllt, das steht außer Frage. Deshalb können wir nicht von marginalisierten Gruppen erwarten, dass sie sich noch mehr in Gefahr bringen als sie sind. Wir dürfen von keiner Person verlangen, sich Normen zu widersetzen und sich z.B. nicht zu rasieren – wenn wir alle wissen, dass es leichter ist, wenn wir einfach tun, was man von uns erwartet. Jeder Mensch kann Feminist*in sein, auch mit rasierten Beinen. Wir dürfen keine Person dafür verurteilen, sich das Leben leichter zu machen und vielleicht sogar Gefahr zu vermeiden. 

Also – check your privileges: Uns allen fällt es schwer, uns selbst zu lieben, aber manchen wird es schwerer gemacht als anderen. 

– Dieser Blog wurde von Leni im Anschluss an ihren Blogbeitrag „Charmant und unverschämt“ vom 15.4. verfasst.

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Charmant und unverschämt

Du hebst im Fitnessstudio halb so viel Gewicht wie dein*e Trainingspartner*in. Du wirst von deinem*r Gynäkolog*in informiert, dass du eine Pilzinfektion hast. Die Person, mit der du schlafen willst, hat mehr Erfahrung als du. Du stehst in einer öffentlichen Dusche und bist nicht rasiert. Du hältst ein Referat und alle im Raum können deine Nervosität anhand der Schweißflecken an einem Shirt ablesen. Du hast einen roten Fleck hinten an der Jeans, weil deine Menstruationstasse überläuft. Du sitzt am See und versuchst unauffällig, deine Dehnungsstreifen mit einem Handtuch zu verdecken. Jemand macht einen Witz und alle merken, dass du ihn nicht verstehst. Du redest mit deinen Kumpels über Sex und sie behaupten, dass die Dinge, auf die du mit deiner Partnerin stehst, “voll schwul” sind. Du stellst fest, dass die Menschen in Pornos eine kleinere Vulva oder einen größeren Penis haben. 
 
Was haben diese Situationen gemeinsam? Mit ziemlicher Sicherheit würdest du Scham verspüren, wenn du sie durchlebst. Ich könnte noch so viele Geschichten erzählen, in denen zumindest ich es nicht schaffe oder schaffen würde, selbstbewusst auf meine innere Stimme zu hören, die mir sagt, dass das, was gerade passiert kein Grund ist, rot zu werden und sich in Unsicherheiten zu verlieren. 

Aber was ist eigentlich diese nervige Scham? Im Internet wird sie definiert als ein “quälendes Gefühl der Verlegenheit, das durch Reue, Bloßgestelltsein, durch die Erkenntnis des eigenen Versagens oder durch etwas Unanständiges, Unehrenhaftes, Lächerliches ausgelöst wird”. Sie bleibt nicht immer beim Rotwerden, sondern kann auch zu anhaltender tiefer Demütigung und Gewichtsverlust führen. Es gibt sogar chronische Scham, hier rufen meist psychische Traumata ein krankhaftes, andauerndes Schamgefühl hervor.  

Abgesehen davon, dass Scham also einfach kein schönes Gefühl ist und drastische Ausmaße annehmen kann, kann Scham auch gefährlich werden, wenn sie uns davon abhält, wichtigen ärztlichen Untersuchungen nachzugehen. Denn eine Studie gibt an, dass mindestens einer von vier Menschen mit Vulva zwischen 25 und 64 regelmäßige Tests, zum Beispiel Abstriche zur Krebsvorsorge, vernachlässigen. 35 Prozent der Befragten taten das aus Schamgefühl wegen ihrer Figur, 38 Prozent sorgen sich um ihren Geruch in der Intimzone. Bei jüngeren Befragten gab ein Drittel an, dass sie einem Abstrich bei dem*der Gynäkolog*in nur zustimmen würden, wenn zuvor der Intimbereich enthaart worden sei.  
Gerade der Intimbereich scheint also ein Ort zu sein, wo Scham gar nicht wegzudenken ist. Kein Wunder, wenn wir in der Schule lernen, dass das da zwischen den Beinen zum Beispiel “Schamlippen” und “Schamhaare” heißt. Erst vor einigen Monaten habe ich mir darüber Gedanken gemacht und diese Wörter aus meinem Wortschatz verbannt – ich verwende jetzt nur noch „Vulvalippen“ und “Intimbehaarung”.  
Eine meiner liebsten Poetry-Slammer*innen, Agnes Maier, macht in ihrem Text „Let´s talk about how we talk about sex, baby“ einen weiteren Vorschlag:  
„Könnten meine Vulvalippen sprechen, sie würden dir erzählen, sie hätten keinen Bock mehr, sich die ganze Zeit zu schämen, denn ich schäme mich nicht. Und das ist nicht meine Scham, nein, das ist meine Vulva, und überhaupt hat sie Charme. Wir sind charmant, meine Vulvalippen und ich – wenn du willst, kannst du sie Charmelippen nennen!“ 

Natürlich haben auch Menschen ohne Vulva ihre Unsicherheiten und empfinden oft Scham in Bezug auf ihre Genitalien. Da ist zum Beispiel die klassische Sorge, nicht « groß genug » zu sein – egal ob Penis oder Körpergröße. Außerdem haben Männer oft Angst, vom Freund*innenkreis aufgrund bestimmter Verhaltensweisen oder Vorlieben die Männlichkeit abgesprochen zu bekommen. Oder in Bezug auf die Figur: viele Männer schämen sich dafür, nicht so trainiert zu sein wie der Cast von Magic Mike, sie haben Bedenken, “zu dick” oder “zu dünn” zu sein. Während weiblich sozialisierte Menschen eher Angst haben, zu viel Sex zu haben, ist die Anzahl der Sexpartner*innen bei männlich sozialisierten Menschen schon fast ein Statussymbol – in meinem Umkreis schämen sich die Männer viel mehr für den Mangel an sexuellen Erfahrungen als die Frauen. 

Für Neujahrsvorsätze ist es ja irgendwie zu spät, aber wie wäre es mit einem Sommer-Vorsatz? Können wir diesen Sommer am See mal alle sorglos unsere Körperbehaarung, unsere Bäuche und unsere Dehnungsstreifen in die Sonne strecken? Und gleich dazu könnten wir in den anderen genannten Situationen versuchen, die Furcht vor der Reaktion der Umstehenden mal runterzuschlucken. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass es ein Privileg ist, das tun zu können, denn für Menschen, die von alltäglicher Diskriminierung betroffen sind, ist es schwieriger und vielleicht sogar gefährlicher, sich von gesellschaftlichen Normen zu distanzieren. 

dieser Blogbeitrag wurde von unserem Vorstandsmitglied Leni verfasst.

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Verlosung von Mister Size Kondomen

Wir wollen DANKE sagen an DICH – eine*r von 1.500 Menschen, die uns auf Instagram folgen. Als Dankschön verlosen wir 10-mal die 36er Kondompackung von MisterSize – in deiner ganz individuellen Größe. 

Wie ihr auch in den Lostopf kommen könnt, findet ihr auf dem Verlosungs-Instagram-Post herausfinden.

WICHTIGEN HINWEISE ZU DEN TEILNAHMEBEDINGUNGEN, DATENSCHUTZ, HAFTUNG ETC. FINDET IHR HIER:

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Diagnose Endometriose: Umgang und Sensibilisierung

Bei der Erkrankung Endometriose treten Zysten und Entzündungen (Endometrioseherde) auf, die sich z.B. an Eierstöcken, Darm oder Bauchfell ansiedeln. In selteneren Fällen kann es auch außerhalb des Bauchraums z.B. in der Lunge zu Endometrioseherden kommen. Ihr Gewebe ähnelt dem der Gebärmutterschleimhaut und die Herde können mit dem hormonellen Zyklus wachsen und bluten. Endometrioseherde können – obwohl sie als gutartig kategorisiert werden – metastasieren und bleibende Schäden an Organen verursachen. 

Endometriose – „Chamäleon der Gynäkologie“.

Als ich meine Diagnose vor sieben Jahren bekam, war ich zunächst erleichtert. Jedoch hat das mein Leben auf den Kopf gestellt und beschäftigt mich leider mindestens einmal im Monat. Damit bin ich nicht alleine. Und die meisten Betroffenen sind sich vermutlich nicht einmal darüber im Klaren, dass sie eine chronische Erkrankung haben, die im Ernstfall zu Schädigungen an anderen Organen oder sogar zu Unfruchtbarkeit führen kann. Ich habe mich seit Einsetzen meiner Periode gefragt, warum ich solche Schmerzen aushalten muss und wurde bis Mitte zwanzig von sämtlichen Ärzt*innen darauf vertröstet, dass diese „Regelschmerzen“ normal sein. Dass ich teils bis in die Beine Schmerzen hatte oder habe, ich ohnmächtig geworden bin, Verdauungsschwierigkeiten bekommen habe und jedes Mal 4-7 Tage Schmerzmittel nehmen musste damit ich meinen Alltag bestreiten kann, hat leider keine*n der Ärzt*innen auf die Idee gebracht eine eingehende Anamnese zu machen. Erst als ich selber durch einen Hinweis auf das Erkrankungsbild gestoßen bin, hat es bei mir Klick gemacht. Ich wies also meinen Arzt darauf hin und er spielte es runter. Nach einigem Überreden stimmte er dann der Bauchspiegelung zu und tatsächlich ergab der pathologische Befund die Diagnose: Endometriose. Ich bin überfordert gewesen, habe mich im Anschluss auf die hormonelle Therapie eingelassen. Das habe ich drei Jahre mit sechs verschiedenen Pillen versucht. Da ich aber chronische Depressionen habe und ich sensibel auf die Tabletten reagiert habe, entschied ich mich vor nun vier Jahren sie abzusetzen. Das klappte auch ganz gut für zwei Jahre, jedoch ist die Erkrankung chronisch und holt mich aktuell wieder ein. 

Das bedeutet Einbußen im alltäglichen Leben. Jeden Monat 4-7 Tage zu kaum etwas körperlich in der Lage zu sein, anfällig für Infekte, Rückenprobleme durch Verwachsungen. Immer so viele Schmerzmittel zu nehmen… Ich wusste, dass ich mich eingehend mit meiner Erkrankung auseinandersetzen muss, damit ich mich nicht so beeinträchtigt fühle. Deswegen habe ich die feministische Selbsthilfegruppe „gowithendo“ gegründet, die dazu dienen soll sich konstruktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich nicht von ihr beherrschen zu lassen. Durch den gemeinsamen Austausch besteht in erster Linie erstmal ein Verständnis füreinander, da die Erkrankung in der Gesellschaft immer noch zu wenig bekannt ist. Des Weiteren geben wir uns gegenseitig Tipps zu Behandlungsmöglichkeiten, Ernährung, Ärzt*innen, Kliniken. Denn Freund*innen können meist nur versuchen zu verstehen wieso man körperlich und vielleicht auch psychisch angeschlagen ist. Dennoch ist es wichtig das Umfeld aufzuklären, um eine Sensibilität dafür zu schaffen und sich selbst auch den Raum dafür zu nehmen. 

Dinge die mir wirklich bis jetzt geholfen haben: 
  • Die Signale des Körpers ernst nehmen 
  • Basische Ernährung 
  • Sport 
  • Ein gutes Umfeld mit Verständnis 
  • Unsere Selbsthilfegruppe 
  • Gut ausgebildete Ärzt*innen in Fachkliniken 
  • Osteopathie 
  • Psychotherapie 

Ich will damit nicht sagen, dass eine hormonelle Therapie nicht helfen kann. Denn leider ist sie das einzige was vollends die Bildung neuer Herde aufhalten kann.

Meine Tipps an dich als Betroffene und falls du vermutest Endometriose zu haben oder jemand in deinem Umfeld erkrankt ist: 
  • Fachkliniken aufsuchen oder Frauenärzt*innen, die sich wirklich damit auskennen 
  • Such dir eine Selbsthilfegruppe (auch wenn noch keine feste Diagnose steht, kann das helfen
  • Hör auf deinen Körper und nimm dir Ruhepausen und Raum für die Erkrankung 
  • Wende dich bei Fragen an die Endometriose Vereinigung.

– Xenia von gowithendo

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Das Große Ganze – Worum geht es bei sexueller Aufklärung wirklich?

Ganz nach dem Motto „Lasst uns über das Große Ganze reden!“ widmet sich das Gründungsmitglied des Vereins WirHabenLust e.V. Emma Eder in ihrem Aufsatz der Frage, worum es wirklich bei sexueller Aufklärung geht, und widerlegt mit politisch-gesellschaftlichen Argumenten, die kursierende Annahme, sexuelle Aufklärungsarbeit habe etwas Anrüchiges an sich.

Hier geht es zum Aufsatz:

Die Lösungen für so manches (politisch relevante) Übel dieser Welt liegen in der sexuellen Aufklärungsarbeit.

Emma, 22 Jahre, studiert Politik und Recht in Münster
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Ungerechtigkeit in der Verhütung – Methoden & Nebenwirkungen

Warum auf eine schusssichere Weste schießen und nicht die Waffe entschärfen?*

Verhütung ist derzeit größtenteils Frauensache. Welche Methoden es gibt und unter welchen Nebenwirkungen Frauen und ich leiden, ist Thema im folgenden Blogeintrag. 

Mit 16 schien es so einfach zu sein. Täglich eine kleine Pille schlucken, die dir schöne Haut, große Brüste und einen regelmäßigen Zyklus bereitet. Es war ein Trend in meinem Freundeskreis. Ohne Murren und Zucken wurde mir die Anti-Baby-Pille verschrieben. Ich fühlte mich erwachsen. 

Die Illusion verschwand schneller als gedacht. Wassereinlagerungen, extreme Stimmungsschwankungen und ein allgemeines Unwohlsein im eigenen Körper überfiel mich. 

So entschloss ich mich nach 10 Monaten meinen täglichen Wecker um 20 Uhr zu deaktivieren und meine restlichen Packungen zu entsorgen. 

Das Kondom war ab dem Zeitpunkt für mich das einzig sinnvolle Verhütungsmittel, das mich in meinem Leben als Single auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützte.

Seit ich nun in einer heterosexuellen Beziehung lebe, viel und spontan Sex habe, ist das Thema Verhütung für mich präsenter denn je. Ich führe eine gleichberechtigte Beziehung, jedoch wird uns hinsichtlich des derzeitigen Angebots an Verhütungsmitteln keine gleichberechtigte Auswahl geboten. Das bringt mich in Rage und setzt mich unter Druck. Warum ist Verhütung immer noch Frauensache? Warum sind die Nebenwirkungen derart gefährlich? Warum gibt es nicht mehr Verhütungsmittel für Männer? Und warum werde ich nicht hinreichend aufgeklärt und muss die Kosten selber tragen? 

Die Bandbreite an Verhütungs-mitteln für Frauen 

Die Anti-Baby-Pille ist trotz ihrer starken Nebenwirkungen das meistgenutzte Verhütungsmittel. Für 47% der erwachsenen sexuell aktiven Frauen und Männer ist sie die erste Wahl. Die Eizellreifung und der Eisprung werden durch künstlich hergestellte Geschlechtshormone gehemmt.

Zur hormonellen Verhütung gehört ebenso der Vaginalring, der in die Scheide eingeführt und nach drei Wochen wieder entfernt wird. Hier werden ebenfalls die Eizellreifung und der Eisprung durch zusätzliche Hormone verhindert.

Die Hormonspirale wird von dem*der Gynäkolog*in in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort für 3-5 Jahre bleiben. Es wird eine geringe Menge von dem Gelbkörperhormon Levonorgestrel ausgeschüttet, das den Schleim im Gebärmutterhals dickflüssiger werden lässt und so undurchlässig für Spermien wird. 

Die Hormonspritze wird von Ärzt*innen alle drei Monate injiziert und beeinflusst ebenso den Hormonhaushalt so, dass der Eisprung ausbleibt.

Das Hormonpflaster wird auf den Oberarm, Oberschenkel, Po oder Bauch geklebt und muss wöchentlich gewechselt werden und wirkt ebenso empfängnisverhütend.

Das Hormonimplantat wird in die Oberarminnenseite eingesetzt und nach drei Jahren wieder entfernt. Gleiche Wirkung, gleiche Nebenwirkungen. 

Die hormonelle Verhütung ist durchaus hinsichtlich des guten Pearl-Index‘ vorteilhaft. Der Pearl-Index beurteilt die Sicherheit eines Verhütungsmittels. Es wird aber vorausgesetzt, dass die Methode fehlerfrei angewendet wird. Bei der hormonellen Verhütung liegt dieser zwischen 0,1 und 1,0. Das bedeutet, dass von 1000 Frauen, die ein Jahr das gleiche Verhütungsmittel verwenden, im Durchschnitt 1 bis 10 Frauen schwanger werden.

Alle hormonbasierten Verhütungsmittel weisen ähnliche Nebenwirkungen auf. Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Depressionen, Akne, Libidoverlust, vaginaler Ausfluss, Wassereinlagerungen, Infektionen der Vagina und Ovarialzysten sind nur ein Bruchteil der potentiellen Nebenwirkungen, die in den endloslangen Beipackzetteln aufzufinden sind.

Auch ich gab der hormonellen Verhütung noch einmal eine Chance. Meine Gynäkologin empfahl mir die Hormonspirale, da sie nur niedrig dosierte Hormone lokal abgebe. Des Weiteren machen meine Freundinnen gute Erfahrungen und schwärmen von einer schwächeren Periode und ihrem entspannten Sexleben. Ich ließ mir also überzeugt und mit Zuversicht die Spirale einsetzen und freute mich auf fünf Jahre Ruhe. Meine beste Freundin und ich nannten sie liebevoll Jenny. Statt Ruhe hatte ich jedoch drei Monate Stress. Surprise! Täglich Kopfschmerzen, Akne, Zwischenblutungen und Heulanfälle überfielen mich und belasteten mich und meinen Partner. Ich erkannte mich nicht wieder. Das wollte ich für Geschlechtsverkehr nicht in Kauf nehmen. Tschüss Jenny! Du wirst nicht vermisst.

Kupferbasierte Verhütungsmittel können eine Alternative sein.

Die Kupferspirale wird für fünf Jahre in die Gebärmutter eingesetzt. Der Kupferball kann bis zu fünf Jahre frei beweglich in der Gebärmutter liegen und die Kupferkette wird in der Gebärmutter fest verankert. Das freigesetzte Kupfer schränkt die Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit der Spermien ein und der Hormonhaushalt wird nicht beeinflusst. Akne, Libidoverlust und Gewichtszunahme adé! Doch auch hier kann der Schein trügen: Zwischenblutungen, eine verstärkte Periode, psychische Probleme, ein Verrutschen der Spirale oder ein Verwachsen der Kette mit der Gebärmutter sind alles Erfahrungen, die meine Freundinnen gemacht haben. Auch ungewollte Schwangerschaften in meinem Freundes- und Bekanntenkreis traten auf. Und das, obwohl der Pearl-Index zwischen 0,3 und 0,8 liegt. Doch dieser gilt nur bei fehlerfreier Anwendung, bei der bspw. die Spirale nicht verrutscht. 

Viele andere Verhütungsmittel bleiben der Frau dann auch nicht mehr übrig.

Das Diaphragma ist eine Kappe aus einer dünnen Latexmembran und wird mindestens eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt. Es muss von der Gynäkologin oder dem Gynäkologen exakt angepasst werden und alle sechs Monate auf die Größe kontrolliert werden. Das Diaphragma kann mit einem Spermien abtötenden Gel eingerieben werden, damit die empfängnisverhütende Wirkung erhöht wird. Spontan und sicher hört sich für mich anders an. Das zeigt auch der hohe Pearl-Index, der bei 12 liegt.

Für Frauen, die ihren Zyklus gut kennen, einen geregelten Tagesablauf haben und gut organisiert sind, kann die NFP-Methode die Lösung sein. NFP steht für Natürliche Familienplanung und funktioniert über das tägliche Messen der Basaltemperatur (Körpertemperatur beim Aufwachen) und die Dokumentation des Zervixschleims und der Veränderung des Muttermunds. Mit diesen Signalen kann der Tag des Eisprungs ermittelt werden und die Frau erkennt, wann sie fruchtbar oder unfruchtbar ist.

Die beschauliche Auswahl der Verhütungs-mittel für Männer  

Ich wünschte, die Auswahl der Verhütungsmittel für Männer wäre auch so umfangreich. Derzeit gibt es jedoch nur zwei Methoden auf dem deutschen Markt: das Kondom und die Vasektomie. 

Ersteres schützt als einziges Verhütungsmittel vor sexuell übertragbaren Krankheiten und ist daher vorteilhaft für Menschen mit mehreren Geschlechtspartner*innen. Dagegen spricht die fehlende Spontanität, das abgeschwächte Empfinden und das potentielle Reißen. Der Pearl-Index liegt bei 2-12.

Die Vasektomie ist ein operativer Eingriff unter örtlicher Betäubung, bei dem der Samenleiter durchtrennt wird, sodass keine Samenzellen mehr in den Samenerguss gelangen können. Die Erektion und der Orgasmus sind weiterhin möglich und die Sterilisation kann mit Erfolgschancen von 70-90% rückgängig gemacht werden. Ärzt*innen führen diesen Eingriff bei jungen Männern jedoch selten durch.

Über Coitus interruptus, das Rausziehen des Penis‘ vor der Ejakulation, muss ich hoffentlich keine Worte verlieren.

Es muss sich was ändern 

Überforderung, Ungerechtigkeit und Ungleichberechtigung verspüre ich momentan. Ich will mehr! Ich will mehr Verhütungsmittel für Männer. Ich will unter weniger Nebenwirkungen leiden müssen. Ich will besser aufgeklärt werden.

Jana Pfenning und Rita Maglio haben BetterBirthControl gegründet und eine Petition gestartet, in der sie Folgendes fordern:

Gleichberechtigte Verhütung, eine Erweiterung des Marktes, eine bessere Aufklärung, eine Förderung der Forschung an Verhütungsmitteln, einen Systemwandel, die Erfüllung der Sustainable Development Goals und eine 100%ige Kostenübernahme von Verhütungsmitteln. 

Zu dem Zeitpunkt des Verfassen dieses Blogeintrags (07.02.2021) haben bereits 71.000 Menschen unterschrieben. Wenn du Gleiches forderst und dich die aktuelle Verhütungslage genauso nervt wie mich, unterschreibe die hier Petition von BetterBirthControl.

Ich sehe ein Licht im Dunkeln und hoffe eines Tages einen Blogeintrag über neue, innovative Verhütungsmittel für Männer zu verfassen. Verhütungsspritze, Hormongel, die Pille für den Mann, das Vasalgel und das Samenleiterventil sind hoffentlich bald Realität. 

* Gemeint ist hiermit, dass Männer theoretisch durchgehend fruchtbar sind und Frauen nur wenige Tage im Monat. Weshalb gibt es mehr empfängnisverhütende Methoden für die Frau?

– dieser Blogbeitrag wurde von Sophia verfasst.

“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung der Autorin und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.”

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Fünf widerlegte Mythen über das Hymen

Über das Hymen, das ihr vielleicht auch unter dem unpassenden Begriff “Jungfernhäutchen” kennt, kursieren so einige Unwahrheiten.

Wir wollen Fakten schaffen und räumen mit der Märchenstunde auf. Also: Vergesst alles, was ihr glaubt über das sogenannte “Jungfernhäutchen” zu kennen und macht euch auf ein paar AHA-Momente gefasst.

Fünf Mythen übers Hymen, die wir widerlegen: 

1. Das Hymen ist eine kranzförmige Ansammlung von Schleimhautfalten ca. 1-2 cm hinter dem Vaginaleingang. Der Mythos, das Hymen sei eine Haut, die die Vagina wie eine Frischhaltefolie umschließt und beim ersten penetrativen Sex durchstoßen wird, ist falsch! 

2. Die meisten Menschen mit Hymen bluten überhaupt nicht beim ersten Mal penetrativen Sex. Das Hymen ist nämlich sehr dehnbar. Manche können sogar Kinder gebären, ohne dass das Hymen verletzt wird. Aber ja, es stimmt: Manchmal kann es beim Sex – egal ob beim ersten oder hundertsten Mal – zu Verletzungen des Hymen kommen, aber beispielsweise aus dem Grund, dass der Vaginaleingang nicht feucht genug ist. In so einem Fall hilft zum Beispiel Gleitgel.

3. Wichtig zu wissen: Kein*e Ärzt*in kann erkennen, ob ihr schonmal penetrierten Sex hattet – auch nicht anhand eures Hymen. Das Hymen kann übrigens auch bei anderen Aktivitäten verletzt werden, wie z.B. Fahrradfahren oder Sport.

4. Nicht alle Menschen mit Vulva haben ein Hymen und, wenn sie eins haben, dann sieht das – wie so Vieles am menschlichen Körpern – bei jedem*r vollkommen unterschiedlich aus. Manche Menschen haben ein ringförmiges Hymen um den Vaginaleingang, andere zum Beispiel eher ein fransiges Hymen mit einem zackigen Saum. Bei wenigen Menschen sind Teile der Schleimhaut verwachsen oder die gesamte Vaginalöffnung ist verschlossen. Dann könnte eine OP nötig sein, weil sich Menstruationsblut und Sekret in der Vagina stauen kann, in diesen – wirklich seltenen (!!) – Fällen sollte man sich mit seiner Ärzt*in beraten lassen.

5. Last but not least: Nicht nur Personen, die noch nie penetrativen Sex hatten, besitzen das “Jungfernhäutchen”. Denn auch nach dem ersten (penetrativen) Sex besitzen Menschen ihr Hymen und im Übrigen auch nicht nur Frauen, sondern alle Menschen mit Vagina. Deshalb passt der Name “Jungfernhäutchen” nicht (mal ganz davon abgesehen, dass die Tatsache, ob eine Person schon Sex hatte oder nicht, sowieso kein Grund ist, sie wie auch immer zu bewerten). Wieso es dann immer noch so genannt wird, ist eine lange Geschichte, die viel mit einer männerdominierten Weltsicht zu tun hat, bei der weiblich sozialisierte Menschen, die noch keinen Sex hatten, mehr Wert zugesprochen wird als denen, die Sex haben. Das ist natürlich Quatsch, denn ob und wie häufig ein Mensch Sex hat, bestimmt nicht dessen Wert! Daher ist es auch so schön, dass viele Menschen anfangen, umzudenken: In Schweden zum Beispiel wurde das Wort “Jungfernhäutchen” 2009 abgeschafft, jetzt heißt es einfach “Vaginale Korona”, was aus dem Lateinischen kommt und so viel bedeutet wie die Vaginale(r) Krone/ Kranz und sich auf die anatomische Form des Hymens bezieht. Nicht schlecht, oder?

Manche Infos waren euch neu? Uns auch. Umso wichtiger ist es, über das Hymen aufzuklären, denn diese ganzen Falschinformationen können fatale Folgen für Menschen mit Hymen haben, indem sie sich unter Druck gesetzt fühlen, unter Beweis stellen müssen, dass sie noch nie Sex hatten oder unterdrückt und diskriminiert werden. Deshalb erzählt euren Freund*innen, Mitschüler*innen, Mitbewohnis, Eltern, Geschwistern und Lehrer*innen und allen anderen: Das “Jungfernhäutchen“ gibt es (so wie viele es kennen) nicht!

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Schwangerschaftskonfliktberatung

Ist eine Person mit Uterus schwanger und möchte diese Schwangerschaft abbrechen, ist sie nach § 219 StGB dazu verpflichtet, vor dem Abbruch eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch zu nehmen. Die Gesetzgebung beabsichtigt mit § 218 bis § 219 b den “Schutz des ungeborenen Lebens” (§219 StGB Abs.1 S.1). 

Aber was kommt da auf dich zu? 

Zuerst vereinbarst du in einer Beratungsstelle deiner Wahl einen kostenfreien Beratungstermin¹. Die Beratung sollte möglichst zeitnah stattfinden, denn du hast einen Rechtsanspruch auf umgehende Beratung. Achte dabei darauf, dass es eine nach § 219 anerkannte Beratungsstelle ist: Katholische Träger (Caritas und SkF) stellen dir keinen Beratungsschein aus und nicht anerkannte Stellen sind nicht der Ergebnisoffenheit verpflichtet und könnten dich unter Umständen in deiner Entscheidung beeinflussen. 

Die beratenden Personen unterliegen der Schweigepflicht, beraten dich ergebnisoffen und stellen dich als Person in den Mittelpunkt. Das Gespräch dient also dazu, dass du über alles rund ums Thema “ungewollt schwanger” informiert wirst. Die beratende Person wird dich vermutlich dazu befragen, ob die Schwangerschaft geplant war (Verhütung), ob du dich in einer stabilen (romantischen bzw. sexuellen) Beziehung befindest, und wie deine finanzielle Situation und dein soziales Netzwerk aussehen. Da es keine klaren Richtlinien für die Beratung gibt, kannst du mit der beratenden Person deine Ängste und Zweifel teilen, du darfst aber auch schweigen; das entscheidet nicht darüber, ob du den Beratungsschein bekommst. Der Fokus der Beratung liegt darauf, dich zu informieren. Und zwar über alle Optionen und Möglichkeiten, ob für oder gegen eine Schwangerschaft. Dazu gehören unter anderem Unterstützungsmöglichkeiten für die Schwangerschaft und die Elternschaft, aber auch die Aufklärung über die Voraussetzungen für einen straffreien Abbruch („Abtreibung“), die Methoden und den Ablauf dessen.

Zum Ende des Gesprächs erhältst du den Beratungsschein und eine Liste von Ärzt*innen², die einen Eingriff durchführen (du kannst diese aber auch bei deiner Krankenkasse erfragen). Beachte bei der Terminvereinbarung bei dem*r Ärzt*in, dass zwischen dem Beratungstermin und dem Eingriff drei volle Tage (also vier Nächte) liegen müssen. Dies soll Zeit zur gründlichen Überlegung geben.

Was es alles rund um den Schwangerschaftsabbruch zu wissen gibt, erfährst du in unserem AHA vom 01.02.2021 auf Instagram. 

Weitere Informationen rund um die Beratung und einen Schwangerschaftsabbruch erhältst du auf der Seite der BZgA und bei Beratungsstellen wie Pro Familia.


Wenn du mehr über die Schwangerschaftskonflikt-Beratung erfahren magst: editionf hat hier ein super spannendes Interview mit zwei Beraterinnen geführt.

¹ Welche Beratungsstellen in meiner Nähe? https://www.familienplanung.de/no_cache/beratung/beratungsstelle-finden/  
² Wer führt den Abbruch in meiner Nähe durch? Liste von Ärzt:innen (unvollständig, da freiwillig) https://www.familienplanung.de/beratung/schwangerschaftsabbruch/praxen-kliniken-und-einrichtungen/

– diesen Blogbeitrag hat Antonia verfasst.

Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.

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Body Positivity – und was es mit deiner Gesundheit zu tun hat

Der Fokus von „Schönheit“ liegt auf inneren Eigenschaften

Seinen Körper lieben, ihn schätzen und schön finden – Der Begriff body positivity ist schon seit einiger Zeit, vor allem in sozialen Netzwerken, zu finden. Merkmale, für die Menschen sonst komisch angeguckt oder sogar angegriffen werden, sollen Wertschätzung erfahren.  Die Bewegung feiert, dass Menschen unterschiedlich aussehen und stellt sich somit bewusst gegen Schönheitsideale, mit denen wir – bekannterweise – täglich bombardiert werden. Für viele ist es das Körpergewicht; bei body positivity geht es aber genauso um Größe, Narben, Cellulite, Muskulosität, Hautfarbe und vieles mehr.  Außerdem findet das Konzept auf Menschen jeden Geschlechts Anwendung!

Bei body positivity geht es also um mehr als Gewicht – und trotzdem steht dieses Körpermerkmal oft im Zentrum von Diskussionen und Gegenwind. Dem #bodypositivity folgt oftmals die Behauptung, dass Adipositas verharmlost und für einen ungesunden Lebensstil geworben werde. Darüber müssen wir sprechen:

Wie steht es denn tatsächlich um den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Gesundheit? Viele Ärtz*innen sind sich sicher, dass zumindest starke Adipositas zu Problemen, wie etwa Bluthochdruck, führen kann. Das ist auch grundsätzlich nicht immer falsch, jedoch machen zunehmend mehr Stimmen darauf aufmerksam, dass der Zusammenhang nicht so direkt ist, wie er scheint: Gesundheit hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und kann nicht durch bloßes Hingucken attestiert werden.

Wer den eigenen Körper annimmt und ihn schätzt hat ein viel höheres Interesse daran, dass es ihm gut geht. „Fat shaming“ führt nicht dazu, dass Leute abnehmen oder bewusster leben. Es führt zu Selbsthass und dem Gefühl, nicht genug wert zu sein. Reflektiert man die Signale des Körpers, ist es viel wahrscheinlicher, das zu tun, was dem Körper gut tut: Also zum Beispiel auf eine ausgewogene Ernährung und Bewegung zu achten. Die sind nämlich viel wichtiger als der Fokus auf Gewichtsabnahme. Nicht zu selten führt die Unzufriedenheit über das Gewicht zu ungesunden Diäten, psychischer Belastung bis hin zur Entwicklung von Essstörungen – und das ist es auch wogegen body positivity ankämpfen möchte. Es kommt aber auch nicht auf dasselbe hinaus: Wer sich um den eigenen Körper kümmert, verliert nicht automatisch Gewicht. Dafür sind unsere genetischen Voraussetzungen und persönliche Bedürfnisse viel zu unterschiedlich. Die Idee ist es, auf den eigenen Körper zu achten, weil du ihn liebst und nicht damit die Anzeige auf deiner Waage dich irgendwann dazu berechtigt. Aber auch wenn body positivity Menschen dazu ermutigt auf ihren Körper zu achten, hat es keinen Einfluss auf die Berechtigung auf Respekt, wenn jemand sich damit schwer tut.

Bei der der Gesundheitsdebatte ist vor allem extrem wichtig, dass unabhängig davon, wie jemand den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Gewicht bewertet, die „Gesundheitskeule“ nie ein Grund ist, jemandem den Respekt zu versagen. Denjenigen  Menschen, die in ihrem Leben als mit sich im Reinen auftreten, ihre Daseinsberechtigung in Werbung, sozialen Netzwerken und in ihrem Alltag verbieten zu wollen, ist diskriminierend.

Der Wert und die Würde einer Person sollen also auf keinen Fall im Zusammenhang mit ihrem Aussehen stehen – egal ob es um Gewicht oder andere Körpermerkmale geht

Mathilda

Der Wert und die Würde einer Person sollen also auf keinen Fall im Zusammenhang mit ihrem Aussehen stehen – egal ob es um Gewicht oder andere Körpermerkmale geht. Aus einer anderen Richtung kommen jedoch Stimmen, die anmerken, dass auch bei body positivity Schönheit auf Körpermerkmale zurückgeführt wird. Die Idee von sog. body neutrality will die Bedeutung von Aussehen insgesamt reduzieren. Anstatt seinen Körper aktiv zu lieben – was vielen schwer fallen sollte – ist der Körper hier einfach mal nur Körper. Der Fokus von „Schönheit“ liegt auf inneren Eigenschaften. Jede*r sollte selber für sich herausfinden, welche Beziehung zum eigenen Körper am besten funktioniert. Oft laufen body positivity und body neutrality aber auch Hand in Hand; denn beide wollen dazu ermutigen, äußerliche Merkmale eigener und fremder Körper von Wert und Würde zu entkoppeln.  

– Dieser Blogbeitrag wurde von Mathilda verfasst.

“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.”

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