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Weiterbildung Sexualpädagogik (PfS)

Vor einigen Wochen war es endlich so weit: ich habe die einjährige Weiterbildung zur Sexualpädagogin bei der Praxis für Sexualität in Duisburg erfolgreich abgeschlossen! An dieser intensiven, lehrreichen und spannenden Zeit möchte ich euch anhand einer kleinen Zusammenfassung teilhaben lassen:
Aber zunächst muss ich etwas loswerden: Jeder Person, die im pädagogischen/sozialen Bereich arbeitet, empfehle ich wärmstens an dieser Weiterbildung teilzunehmen & natürlich auch allen anderen Menschen, die Interesse an sexuellen Themen haben- Spoiler: Für mich war es nicht nur auf fachlicher Ebene, sondern auch eine persönlicher Ebene eine sehr bereichernde Zeit!
Seitdem ich die Graphik Novels von Liv Strömquist gelesen habe und erst mit 25. Jahren (!) von der tatsächlichen Größe der Klitoris erfuhr, ließ mich das Thema Sexualität und dessen historisch-gesellschaftliche Entwicklung und Umgang damit nicht mehr los!
Mit diesem Wissensdurst, gepaart mit aufgestauter Wut und Unverständnis über den eigenen sehr begrenzten Sexualkundeunterricht, machte ich mich auf die Suche nach noch mehr Input zum Thema Sexualität.
Nach meiner Verwunderung fand ich beim Durchstöbern des Internets bundesweit nur drei seriös erscheinende Stellen, die die Sexualpädagogik-Weiterbildung anbieten: BiKo Berlin, ISP Dortmund und die Praxis für Sexualität in Duisburg. Da der Weg nach Duisburg von meinem aktuellen Wohnort am kürzesten war, entschied ich mich ganz pragmatisch dafür und bewarb mich dort.
Voller Vorfreude, dass ich einen Platz bekam (und zudem glücklicherweise mein Arbeitgeber die Kosten für die Weiterbildung übernahm), wartete ich sehnsüchtig auf den Start des ersten Moduls. In Duisburg angekommen war ich überwältigt von den Praxisräumen, die sich in

einem alten Klinker-Gebäude befinden. Super viele sexualpädagogische Materialien, Bücher und Spiele sind dort ausgelegt, die zum Stöbern einladen.
Die Weiterbildung besteht insgesamt aus 8 Modulen und erstreckt sich über mehrere Wochenenden eines Jahres. Thematische Schwerpunkte sind: Biographie-Arbeit, Sexuelle Vielfalt, sexualisierte Gewalt, Medien & Sexualität und Beratung.
Neben den Wochenenden in Duisburg werden feste Praxisgruppen gebildet, die sich aus Teilnehmenden zusammensetzen und zum Austausch untereinander dienen. Die Zeit in den Praxisgruppen ist frei gestaltbar: Es können Ausflüge in Sexshops/Ausstellungen/Veranstaltungen etc. organisiert und anschließend reflektiert werden, aber auch (online) Gesprächsrunden zu einem bestimmten thematischen Schwerpunkt bieten sich an. Ein weiterer Aspekt der Weiterbildung ist die Erstellung eines Projekts: Unter der Vorgabe, dass eine Interaktion stattfindet, kann das Projekt ansonsten in Art und Weise der Umsetzung frei gewählt werden. Daher bieten sich Workshops zu einzelnen Themen der Sexualität an, es gab aber auch Teilnehmende, die sexualpädagogische Spiele entwickelt haben, die sie anschließend mit Menschen gespielt und reflektiert haben. Insgesamt muss ich sagen hat mir bei der Weiterbildung gerade der wertschätzende Umgang während des gemeinsamen Lernens sehr gefallen, diese respektvolle Atmosphäre habe ich in anderen Lern-Settings bisher noch nicht so erlebt. Ebenso fand ich es sehr bereichernd, dass Räume geschaffen wurden, um auf die eigene Sexolisation (Sozialisation mit Schwerpunkt auf Sexualität) zu blicken. Dies zunächst für sich ins Gewissen zu rufen und dann mit anderen darüber in den Austausch zu gehen, hat mir nochmal gezeigt, dass wir alle von klein auf sexuelle Wesen sind, aber es viel zu wenig Orte gibt, sich über die Erfahrungen auszutauschen! Ein weiterer WOW-Moment der Weiterbildung war, als Mithu M. Sanyal mit uns über ihr Buch „Vergewaltigung“ sprach. Das war ein kleiner Fangirl-Moment für mich! Insgesamt war es eine sehr intensive Zeit, in der ich viel über mich erfahren und viel gelernt habe!
Daher hier nochmal der Aufruf: Gerade in pädagogischen Settings kommt das Thema Sexualität immer wieder auf, und ein offener professioneller Umgang damit ist nicht nur Präventionsarbeit, sondern empowert und bestärkt zudem- deshalb ist die Weiterbildung meiner Meinung nach ein MUSS für pädagogische Fachkräfte!

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Neujahrsvorsätze

Ein Jahr geht zu Ende – ein Jahr, in dem bei Wir Haben Lust viel passiert ist, in dem wir gewachsen sind, in dem wir viel gelernt, uns und euch aufgeklärt haben. Ein Jahr, in dem wir lange Gespräche übers Gendern, Verhütung, Scham, Konsens, Erwartungen, Körpergefühl, das Aussehen von Vulven, Masturbation, Queerness und vieles vieles mehr geführt haben, um endlich mit Tabus zu brechen und hoffentlich die Welt ein Stück besser, offener und gerechter zu machen. Und trotzdem: je mehr wir lernen, desto mehr merken wir, wie viel es noch zu lernen gibt. Die gute Nachricht: morgen startet ein neues Jahr, das hoffentlich mindestens so viel Wissen, Wachstum und Weiterentwicklung parat hat wie 2021. Aber, liebes 2022, wir haben auch ein paar Wünsche – für unser Privatleben und für die Welt um uns herum. 

Damit soll nächstes Jahr Schluss sein: 

  • unverbindlichem Sex nur, weil ich es cool finde und nicht, weil ich es fühle 
  • meinen Bauch einziehen 
  • mich nicht stressen, wenn ich mal keine Lust habe/ keinen Orgasmus bekomme 
  • starken period cramps 
  • Stress/ Druck bei sexuellen Handlungen  
  • Angst, wenn ich gleichgeschlechtliche Liebe in der Öffentlichkeit zeige 
  • Misgendert werden 
  • Catcalling 
  • Platz in meinem Leben für Menschen, die nicht genug Wert auf Konsens legen 

Stattdessen wünschen wir uns umso mehr…. 

  • Orgasmen 
  • Offene Kommunikation – ehrlich und ohne Scham 
  • neue sexuelle Spielarten auszuprobieren, mit denen ich mich wohlfühle 
  • tolle Sexpartner*innen 
  • Liebe und Zuneigung 
  • Kraft für das Outing vor meiner Familie 
  • WirHabenLust Treffen 
  • Mehr Zeit für Solo-Sex nehmen  
  • Grenzen setzen und „Nein“ sagen 
  • Mehr Sextoys besorgen 
  • Meinen Körper mögen 
  • Safer Sex 
  • Ganz viel küssen & kuscheln 
  • Mehr über meine Bedürfnisse herausfinden 
  • Männer zurechtweisen, wenn sie sich übergriffig verhalten 
  • Hilfreiche Therapiestunden 

Und von der Politik und der Gesellschaft wünschen sich unsere Vereinsmitglieder: 

  • Weg mit §§218 und 219 
  • Selbstbestimmungsgesetz statt TSG 
  • Selbstbestimmte Liebe aller Menschen 
  • Offenere Kommunikation zum Thema Scham und Sex 
  • Dass das Patriarchat endlich ernsthaft bekämpft und abgeschafft wird (warum nicht mal optimistisch sein?) 
  • Bye Coroni! (ich will endlich auf eine Sex Positive Party!) 
  • Schluss mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit 
  • Ernsthaften Klimaschutz auf politischer/ systemischer/ institutioneller Ebene 
  • Sexuelle Bildung in der Ausbildung der Lehrer*innen etablieren (nicht nur als Wahlpflichtseminar) 
  • Mehr Sichtbarkeit von/ für Sexuelle(r) Bildung durch kontinuierliche Finanzierung dieser (und nicht nur projekt-bezogene Finanzierung/ über §218 stGB) 
  • Sexuelle Gesundheit als präventiver und gesundheitsförderlicher Ansatz im deutschen Gesundheitssystem 
  • Kostenloser Zugang zu Verhütung 
  • Reform des Bildungssystems hin zu individuellem Lernen ohne Scham und Tabus 
  • Kostenlose Periodenprodukte an öffentlichen Räumen und Unis 
  • Periodenurlaub 
  • Prävention von Femiziden 
  • Höhere Impfquoten 

Wir wünschen euch alles Gute für das neue Jahr und danken euch von ganzem Herzen für eure Unterstützung! 

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Erwartungen an Sex

Noch bevor ich das erste Mal Sex hatte, hatte ich einen Haufen an Erwartungen. Da ich meine gesamte Teenager-Zeit mit romantischen Filmen und Büchern verbracht habe, waren diese sehr blumig und unschuldig: zwei (zumeist hetero cis) Menschen küssen sich, ziehen sich gegenseitig aus, er dringt in Missionarsstellung in sie ein – Schnitt – beide lächeln sich nur mit einer Decke bedeckt an. Erst viel später, als ich das erste Mal einen Porno gesehen habe, veränderte sich meine Vorstellung von Sex: er war viel härter, unromantischer und deutlich explizierter, als alles was ich zuvor gesehen habe. Sex wurde für mich zu einem Mysterium, das nicht nur unbekannt sondern auch kompliziert schien.
Als ich in meiner ersten Beziehung war, war ich völlig überfordert von all den Erwartungen an mich selbst und meinen Partner. Ich dachte, ich kenne die Abläufe und wie ich mich zu verhalten habe, welche Geräusche ich machen sollte und wie Sex aussieht. Über die Jahre, in denen ich Sex habe, habe ich vor allem eins gelernt: er ist weder wie in der romantischen Komödie noch wie im Porno – zumindest nicht für mich.
Hier ein Ausschnitt meiner Learnings:

  • Das Gegenüber die ganze Zeit zu küssen ist nicht nur für die Gesichtsmuskulatur und Zunge anstrengend, sondern steht auch anderem im Weg: ich mag es zu fragen, ob er*sie mag, was ich grade tue und möchte gemeinsam über den Vagina-Pups und den rausgerutschten Penis lachen.
  • Pausen beim Sex geben nicht nur neue Kraft, um danach neue Stellungen auszuprobieren, sondern auch die Zeit, einen weich gewordenen Penis oder eine trocken gewordene Vagina wieder zu erigieren. Es lohnt sich meist, sich die Zeit zu nehmen, Dinge auszuprobieren, auch wenn diese mir oder meinem Gegenüber dann doch nicht gefallen, sie uns zu anstrengend oder sogar schmerzhaft sind. So lernen wir unsere Körper besser kennen und finden heraus, was wir wirklich gerne mögen.
  • Sex kann plötzlich unterbrochen oder währenddessen beendet werden, weil unerwartet Verwandte oder Mitbewohnerinnen ins Zimmer stolpern, das Handy klingelt oder einer der Beteiligten keine Lust mehr hat.
  • Verhütung ist sexy und wichtig.
  • Ich sehe nicht aus wie die Darsteller*innen im Film, denn ich trage nicht ständig Dessous, bin zu meiner Zufriedenheit rasiert oder schaffe es auf Anhieb mich oder mein Gegenüber auszuziehen. Im Gegenteil: ich schwitze und friere, ich pupse, ich habe Haare im Mund, habe einen Krampf und muss zur Toilette.
  • Sex ist mehr als Mann und Frau in Missionarsstellung. Sex ist divers in der Partner*innenwahl, ist vaginal, oral oder anal, mit oder ohne Toy, mit oder ohne Orgasmus, laut oder leise, schnell oder langsam, hart oder sanft Sex ist Kommunikation, Berührung, Blickkontakt. Sex ist alles davon oder gar nichts und vor allem ist Sex, was du daraus machst.

All das habe ich zuvor nicht erwartet. All das ist aber das was Sex für mich besonders macht. Ich möchte keinen RomCom- oder Porno-Sex. Ich möchte Konsens und Kommunikation und keine Performance von am Bildschirm kennengelernten Abläufen.

Dieser Artikel wurde von Ann verfasst.

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Unangenehm – das CUM-FACE

Ich möchte mal wieder über Sex reden. Ja, ich mag Sex und ich rede gerne darüber, versuche mich von vorne bis hinten aufzuklären, von Asexualität über Konsens, Libido, Menstruation bis hin zu Zungenküssen. Dann habe ich das ganze Wissen, hab schon haufenweise Tabus abgeschüttelt und Schamgefühle hinter mir gelassen und mache mir immer noch Gedanken darüber, ob ich ein komisches cum face – das ist der Gesichtsausdruck beim Orgasmus – habe. Oder darüber, ob ich beim Sex seltsame Geräusche von mir gebe, ob ich der anderen Person unsexy Blicke zuwerfe, oder ob meine sexuellen Wünsche vielleicht doch zu extravagant sind. 
 
Herzlichen Dank liebe Film- und Pornoindustrie für diese Gedanken, ich bin mir sicher, dass ich sie ohne euch nicht in dieser Form hätte. 
 
Sind wir mal ganz ehrlich. Es ist wirklich nicht notwendig, dass mir solche Gedanken während dem Sex kommen, mich ablenken, mir im Kopf herumgeistern und ich mich gar nicht auf den Moment fokussieren kann. Noch weniger notwendig ist es aber, dass ich mich darüber aufrege oder mir die Laune davon vermiesen lasse. Auch wenn es gar nicht so einfach ist, versuche ich solche Gedanken anzunehmen, sie erstmal wegzuschieben und mir danach zu überlegen, woher sie kommen. Ich bin überzeugt davon, dass sie nicht von irgendwo kommen, schon gar nicht kommen sie von mir, sie sind nicht meine Schuld. Aber jetzt sind sie da und ich muss damit umgehen. Wie ich das mache? Darüber reden. Und ja, mir ist das unangenehm. Es gibt angenehmere Fragen als: „Meinst du ich sollte mit Sorgen um mein cum-face machen?“ oder „Denkst du auch manchmal, dass du seltsame Geräusche von dir gibst, wenn du sexuell erregt bist?“. Aber wenn wir nie darüber reden kann es auch nie angenehmer werden. 
 
 
Und ich glaube, wenn eine andere Person euer cum-face, eure Blicke oder Geräusche beim Sex seltsam findet, dann ist das nicht euer, sondern deren Problem. In diesem Sinne: lasst euch gehen <3 

– Dieser Blogartikel wurde von Laura verfasst.

Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.

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Doku-Empfehlung: Female Pleasure

Female Pleasure ist ein Dokumentarfilm von Barbara Miller aus dem Jahr 2018. Er erzählt von fünf Frauen, die in ihren verschiedenen Lebenssituationen Unterdrückung durch patriarchale Strukturen erfahren haben und sich, jede auf ihre Weise, versuchen von diesen zu befreien. Dabei setzt der Film einen Schwerpunkt auf verschiedene kulturelle und religiöse Umgebungen, die sich gegen sexuelle Selbstbestimmung richten. 

Deborah Feldman wuchs in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft in New York auf, in der sie in eine arrangierte Ehe gedrängt wurde. Sie erzählt von ihrem Heiratsunterricht, in der ihr erzählt wird, dass sie einen Ort hat, wo „es hineinpasst“ – ein wunderschöner Gang, der zur Quelle des Lebens führt. Sie erzählt von Ritualen, die sie nach ihrer Periode durchführen muss, um wieder rein zu werden. Nach der Geburt ihres Kindes verlässt sie die Gemeinschaft schließlich. Heute ist sie eine erfolgreiche Autorin, die vom Zwang und der Unterdrückung in der ultraorthodoxen Gemeinschaft schreibt. 

Vithika Yadav gründete die Initiative „Love Matters“ in Indien. Ihre Initiative klärt über Themen wir Konsens, Lust und gleichberechtigte Beziehungen auf. Sie erzählt von einer Kultur in der Beziehungen nur für den sozialen Status der Familie relevant sind. Eine Gesellschaft, in der es kein Verständnis für weibliche Lust gibt und gleichzeitig für Kamasutra bekannt ist. 

Rokudenashiko ist eine japanische Manga Künstlerin, die für ihre Kunst verhaftet wurde. Zehn Polizist*innen stürmten ihre Wohnung und fesselten sie – weil sie Kunstwerke aus dem Abdruck ihrer Vulva gemacht und diesen Abdruck als Vorlage zur Verfügung hatte. Gleichzeitig begleitet der Film ein Fruchtbarkeitsfest in Japan, an dem riesige Penisse auf Sänften durch die Stadt getragen werden und Lutscher in Penisform verteilt werden. Ihre Anklage wegen Obszönität führt Rokudenashiko auf die Tabuisierung der Vulva zurück. 

Doris Wagner war Mitglied im Ordenshaus „Das Werk“ in Rom. Sie erzählt, wie sie lange Unterkleider tragen musste, da die Ordensbrüder sexuell schwächer sein und sie daher die Verantwortung trage, dass da „nichts passiert“. Nachdem sie sich ihrer Verantwortlichen anvertraute, dass Ordensvater Burkhart sie mehrfach vergewaltigte hatte, schrie diese sie zunächst wütend an und sagte ihr schließlich sie würde ihr vergeben. Wagner hat ihre Geschichte und ihre Versuche sich innerhalb und außerhalb der Kirche Gehör zu verschaffen in einem Buch veröffentlicht. Dabei beobachtet sie die Verknüpfungen zwischen ihren Erfahrungen und der Inszenierung von weiblich gelesenen Personen als Sünder*innen und Verführer*innen in der Kirche. 

Leyla Hussein ist eine aus Somalia stammende Psychologin, die sich gegen Genitalverstümmelungen von Kindern mit Vulva einsetzt. Als Betroffene und Aktivistin initiiert sie globale Projekte und klärt auf. So ist im Film z.B. zu sehen, wie sie anhand eines Knetmodells zeigt, was genau bei der Genitalverstümmelung passiert. Für sie ist die Genitalverstümmelung sexueller Missbrauch an Kindern einerseits und ein Versuch sexuelle Selbstbestimmung einzuschränken anderseits. 

Unterdrückung von sexueller Selbstbestimmung durch eine Täter-Opfer Umkehr ist ein Phänomen, dass alle fünf Frauen beschreiben – obwohl die Kulturen und Religionen, in denen sie leben von Grund auf verschieden sind. Deshalb greift die Dokumentation für mich besonders auf, dass diese Kulturen und Religionen instrumentalisiert werden, um Unterdrückungsstrukturen aufrecht zu erhalten. Sie ist ein Aufruf an alle Betroffenen diese Strukturen gemeinsam abzuschaffen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe und #femalepleasure als globales Ziel zu begreifen. Eine absolute Empfehlung! 

– dieser Blogartikel ist von unserem Mitglied Mathilda.

Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.

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Asexual Awareness Week

Asexual Awareness Week – Hätte mensch mich vor einer Woche gefragt, wann diese ist, hätte ich es tatsächlich nicht gewusst. Erst am Montag, zu Beginn der Awareness (dt: Bewusstsein)-Woche, habe ich davon erfahren. Seitdem teile ich jeden Tag einen Post zu Asexualität in meiner Insta-Story. Warum ich das mache? 

Zum einen habe ich die Hoffnung, dass ich andere Menschen – und wenn es nur einer ist –  durch das Reposten dazu anregen kann, sich einen Beitrag durchzulesen, sich dadurch über Asexualität bewusst zu werden, etwas zu lernen oder vielleicht sogar den Post an andere weiterzuschicken.  Zum anderen nutze ich die Awareness Week auch für mich selbst, um tagtäglich ein bisschen mehr über das Ace (das ist die Abkürzung für asexuell und wird meines Wissens oft als Selbstbezeichnung genutzt)-Spektrum zu erfahren. Ich weiß nämlich kaum etwas darüber. Verglichen mit meinem Bewusstsein über andere sexuelle Orientierungen, ist das über Asexualität bei mir noch in den Kinderschuhen. Da möchte ich es aber unbedingt rausholen, ich möchte etwas mit den Begriffen Asexualität und Aromantik anfangen können, die Unterschiede dazwischen kennen, über das Ace-Spektrum informiert sein, aber vor allem möchte ich meinen Blick auf A*Sexualität und (romantische/ sexuelle) Beziehungen verändern und erweitern. Dieser ist geprägt von vielen Annahmen über die Häufigkeit von, Lust auf, Ansprüche an Sex, die ich hier nicht konkreter reproduzieren möchte, und die selbst schon auf mich als nicht-asexuelle Person negative Auswirkungen hatten. Ich kann mir also nur ansatzweise vorstellen, wie schwer es asexuelle Menschen haben, sich ihrer A*sexualität bewusst zu werden, sie zu erkunden, zu kommunizieren und dabei immer wieder gesellschaftliche Erwartungen zu brechen. Ich stelle mir das sehr anstrengend vor, kann aber natürlich nur von meiner Vermutung ausgehen und möchte keiner Person diese von mir imaginierten Schwierigkeiten zuschreiben.  

Die Asexual Awareness Week hat also bei mir das erreicht, wofür die da ist. Sie schärft mein Bewusstsein über und für Asexualität, regt mich dazu an mich noch mehr zu informieren und mein neu gewonnenes Wissen dann zu verbreiten. Das liegt in meiner Natur und ich erwarte keinesfalls, dass alle Menschen das so machen. Ich erhoffe mir lediglich, dass sich möglichst viele Menschen über Asexualität bewusst werden. Ich wünsche mir außerdem, dass Menschen Vorurteile und negative Zuschreibungen gegenüber asexuellen Menschen abbauen und Asexualität auch nicht mit „freiwilligem Verzicht auf Sex“ gleichsetzen. Letzteres ist eine bewusste Entscheidung; A*Sexualitäten sind das nicht.  

Auch wenn die Asexual Awareness Week auf meinem Instagram-Kanal bald enden wird, endet sie nicht für mich. Ich werde mich dann vielleicht nicht mehr täglich mit dem Thema beschäftigen, aber ich werde (hoffentlich) immer wieder und immer bewusster darüber nachdenken und es (auch hoffentlich) vor allem in meinen Blick auf Sexualität und Beziehungen integrieren. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn auch ich habe eine bestimmte Erziehung und Sozialisation genossen, auch ich lebe in einer cis-heteronormativen Gesellschaft und auch ich habe nur begrenzte mentale Kapazitäten, die es mir nicht erlauben immer und überall sensibel für alle zu handeln, sprechen und denken – auch wenn das natürlich wunderbar wäre. Ich gebe mein Bestes und bin jederzeit froh über Anregungen.  

Und sind wir mal ganz ehrlich: viele von uns verbringen ziemlich viel Zeit auf Instagram – warum also nicht mal fünf Minuten am Tag für ein bisschen inhaltlichen Input und Horizonterweiterung nutzen? Danach lassen sich mindestens 20 Stories und Reels ohne schlechtes Gewissen anschauen! 

Um zu guter Letzt nochmal zum Thema zurückzukommen: Gibt es eigentlich in der Ace-Community einen anderen Begriff für Gay Awakening, also den Moment/ Prozess, in dem mensch sich darüber klar wird, nicht heterosexuell zu sein? Mein erster Gedanke war A*Wakening. Funny, not so funny, ganz daneben? Please let me know! 

– dieser Artikel wurde von Laura verfasst  

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Doktorspiele & Co.

Eine komische Erinnerung an Kindheitstage.

Wir öffneten unseren Besteckkasten aus der Spielküche, packten das Messer aus, mit dem normalerweise ein Fake-Apfel geschnippelt wird, und fingen an. Ich lag auf der Matratze meiner Freundin. In meinen Bildern sehe ich wie ich mit meinem nackten Po am Bauch liege und zusehe, wie sie mit dem Plastikmesser durch meine Po Ritze auf und ab fährt. Ich habe das damals ziemlich erregend gefunden.  

Die zweite Geschichte, an die sich bestimmt einige Geschwister erinnern können: Der gute alte Arztkoffer und das Stethoskop. Natürlich horchte ich bei meinem Bruder des Öfteren seinen Herzschlag ab. Allerdings war das mit diesem Plastik Stethoskop kaum so angenehm wie bei meiner Hausärztin, wenn diese wirklich meinen Herzschlag abhörte. Das Gefühl, wenn das schwere Metall auf der warmen Haut aufkommt und für einen Moment auf der Stelle an deinem Körper verweilt, fühlt sich fantastisch an.  

In der dritten Klasse hatte ich eine beste Freundin. Nach der Schule bin ich oft mit zu ihr. Sie hatte ein richtig großartiges Zimmer auf zwei Stockwerke verteilt. Oben war Ihr Bett. Irgendwann lagen wir dort zusammen eingekuschelt in Löffelchenstellung. Wir spielten Fußballehepaar. Eine war immer der Fußballprofi und die andere die Freundin. Grund genug, um miteinander zu kuscheln und erste Berührungen auszutauschen. 

Wenn ich an diese Geschichten denke, dann taucht dort nie ein Kuss auf. Die Berührungen, die wir allerdings austauschten, bereiteten mir große Lust auf mehr. Letztens habe ich in einem Buch gelesen, dass Doktorspiele normal sind und auch wichtig für die Entwicklung sexueller Lust. Außerdem können so oftmals auch Fetische entstehen. Trotz allem kommt in mir oft Scham auf, wenn ich an diese Geschichten denke. Darf man denn über solche Kindheitserfahrungen berichten? Ist das nicht komisch, wenn man es gut findet, dass eine Freundin mit einem Plastikmesser durch deinen After gleitet? Wieso habe ich diese Erfahrungen nur mit weiblichen Personen geteilt? Sagt das vielleicht auch etwas über meine sexuelle Orientierung aus? Natürlich stellt man sich solche Fragen. Ist doch klar. Niemand sagte damals zu mir: „Das was ihr da macht ist okay und normal, solange es sich für euch gut anfühlt. Probiert euch aus!“. Geschweige denn wurden solche Dinge in der Schule damals angesprochen… 

Welche Erfahrungen habt ihr in eurer Kindheit gemacht? Wenn ja, wie alt wart ihr da? 

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„Sex Education“ – die Netflix Serie


Mit Sex Education kam eine weitere Netflix-Serie (nein, das ist keine Netflix-Schleichwerbung!) raus, die sich um Sex, Sexualitäten, Beziehungen, Körper und jegliche Vielfalt dreht. Damit befindet sie sich mit weiteren Netflix-Serien easy, Grace and Frankie, Please like me, Lovesick, Sexify oder You Me Her in wunderbarer Gesellschaft. Aber irgendetwas ist anders: der Cast ist jünger, die Settings sind Jugendzimmer, eine Schule, der Abschlussball und es geht um mehr als „nur“ sexuelle Orientierung oder nicht-monogame Beziehungen.

Zugegeben, ich war anfangs große Freundin der Serie und – meines Netflix-Abos sei Dank – habe die erste Staffel innerhalb weniger Tage durchgeschaut. Auf die zweite Staffel habe ich mich riesig gefreut und ebenfalls gesuchtet. Ich liebte die Themenvielfalt – von Masturbationsproblemen, über Penis-Statuen und Abtreibungen, bis hin zu Outings und diversen sexuellen Vorlieben ist alles vertreten. Daneben natürlich auch Teenie-Dramen, verliebt sein, peinliche Eltern und Probleme in der Schule. Das Tolle: die Themen werden nicht nur kurz behandelt oder angeschnitten, sondern sie werden ausführlich gezeigt, ziehen sich zum Teil durch mehrere Folgen, tauchen immer wieder auf, werden hier und da aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt. Definitiv eine abwechslungsreiche, unterhaltsame und aufklärerisch-angehauchte Serie, die auf jeden Fall einiges an Wissen vermittelt oder die weitere Wissensbeschaffung anregt.


Auch das Setting ist interessant, denn es ist (aus meiner Perspektive) so gewählt, dass sich weder Zeit noch Ort genau identifizieren lassen – die Menschen und Gebäude sehen aus, als würden sie aus den 80ern stammen, trotzdem besitzen alle Charaktere schon Handys; die Landschaft lässt vermuten, dass die Serie im Vereinigten Königreich spielt, aber an der Schule werden keine Schuluniformen getragen, was wiederum gegen das UK spricht. Die Charaktere sind in vielerlei Hinsicht divers – zumindest auf den ersten Blick. Sie unterscheiden sich auf mehreren Ebenen, nichtsdestotrotz ist der Rahmen letztendlich weiß, mittelschichtig und heterosexuell.
Obwohl die Serie viele Themen anspricht, die sonst wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, reproduziert sie doch Einiges, was im alltäglichen Leben schiefläuft und von dem wir weg wollen. So beginnt die erste Folge gleich mit einem vermeintlichen Hetero-Sex-Debakel bei einem Pärchen: Adam, die Person mit Penis, kann nicht kommen, täuscht einen Orgasmus vor, fliegt auf, streitet es ab, schämt sich dafür. Das Thema beschäftigt Aimee, Adams Gegenüber mit Vulva und Vagina, in den kommenden Tagen enorm – liegt es an Aimee? Ist Aimee gut genug? Ist die Beziehung überhaupt noch gut, wenn Adam nicht zum Orgasmus kommt? Anstatt eine solche Szene zu nutzen, um darüber aufzuklären, dass es absolut kein Drama ist, wenn die Person mit Penis beim penetrativen Hetero-Sex nicht kommt, dass nicht gleich das eigene sexuelle Können oder gar die Beziehung angezweifelt werden müssen, weil ein zum Orgasmus gebrachter (Mensch mit) Penis nicht alles ist, worum sich Hetero-Sex drehen sollte, werden alltägliche Bilder und stereotypische Annahmen reproduziert und somit verfestigt.


Ein ähnliches Schema läuft bei Adams Outing ab. Adam hat (sich und anderen) lange verheimlicht, dass er nicht heterosexuell ist, vermutlich aus Angst vor Reaktionen aus dem Umfeld – wie es sich dann zeigt waren diese nicht komplett unbegründet. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Serie ein positives Beispiel bringt und ein Umfeld, eine Gesellschaft konstruiert, in der Outings nichts Dramatisches sind oder in der Outings sogar überflüssig sind, weil es keine heteronormativen Annahmen gibt. Eine Serie wie diese wäre eine so tolle Möglichkeit zu Träumen, Zukunftswünsche und neugedachte Normalitäten zu präsentieren und über das bisher Vorgelebte hinwegzudenken. Natürlich gibt es Szenen, in denen das (ansatzweise) geschehen mag, sie sind dennoch in der Unterzahl und auf Anhieb fällt mir kein gutes Beispiel ein.


Ich möchte die Serie nicht komplett schlechtreden. Im Gegensatz zu anderen Serien und Filmen ist sie schon deutlich offener, vielfältiger und sie spricht durchaus wichtige Themen an. Nichtsdestotrotz finde ich es schade, dass Sex Education den bekannten Rahmen doch nicht so sehr sprengt, wie es auf den ersten Blick scheint; und es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, sich dessen bewusst zu sein.
Ich bin gespannt auf die nächste Staffel und wünsche mir sehr, dass dort noch mehr Unterhaltung, Diversität und Aufklärung und dafür weniger Heteronormativität, weiße Mittelschicht und Stereotype auf uns warten!

– Autorin des Artikels ist Laura.

Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.

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Emily Nagoski: Komm, wie du willst – Das neue Frauen-Sex-Buch

First things first: Was haben wir gelesen?  

In “Komm, wie du willst – Das neue Frauen-Sex-Buch“ schreibt Emily Nagoski über Sex, Orgasmen, Brems- und Gaspedale (ja, tatsächlich) und am wichtigsten: Darüber, dass wir alle so unglaublich verschieden und einander gleichzeitig so ähnlich sind. Die 1977 geborene amerikanische Sexualwissenschaftlerin und Autorin sammelt in ihrem 2015 erschienen Buch Erkenntnisse aus 20 Jahren Erfahrung als Sexualpädagogin. Nagoski hat an der University of Delaware Psychologie und später an der Indiana University Beratungspsychologie studiert, dort einen Doctor of Philosophy in “Health Behavior” gemacht und arbeitet seit 1995 mit Student*innen, um mit ihnen über Sexualität, Kommunikation, Beziehungen und Stress Management zu sprechen. All ihre Erfahrungen gibt die Sexualpädagogin in ihrem Buch wieder. Auf fast 500 Seiten beschreibt die Autorin belegt durch 210 Quellen, wie wir zu unserer Sexualität finden und endlich den Sex haben können, den wir haben wollen.  

“(…) ich möchte nicht warten, bis wir in einer sexpositiven Gesellschaft leben, um das Sexleben zu führen, das ich gerne möchte.” (“Komm, wie du willst”, Emiliy Nagoski, Seite 328)  

Worum es in diesem Buch geht, ist schwierig auf den Punkt zu bringen, deshalb greife ich eine Metapher Nagoskis auf: Stellt euch vor, ihr seid in der Wüste – mit einer Aloe Vera und einer Tomatenpflanze. Sinngemäß schreibt sie, dass die Aloe in der Wüste gut überleben kann, während die Tomate eingehen wird, obwohl ihr sie gleich pflegt. Die Schlussfolgerung lautet also, dass zwei Pflanzen, in derselben Umgebung, nicht die gleichen Überlebensvoraussetzungen haben und weiter, dass sich das genauso auch auf uns Menschen und unsere Sexualität übertragen lässt. Solche Metaphern ziehen sich durch das gesamte Buch hindurch, zusammen mit Beispielen, die Nagoski aus Geschichten ihrer Student*innen gebastelt hat. Dabei schreibt sie als Frau an cis Frauen (wobei sie zu Beginn sagt, dass ihr Buch aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Erkenntnisse allein auf Frauen bezogen ist, die als Mädchen geboren und aufgewachsen sind und denen sowohl die gesellschaftliche Rolle als auch die psychische Identität als Frau anhaftet) und bricht eine Menge an Tabus auf. Dazu gehören sämtliche Orgasmusmythen (u.a. die Wahrscheinlichkeit für eine Frau beim ersten Sex mit einer*einem neuen Partner*in zum Orgasmus zu kommen) und dass der männliche Standard eben nur das ist – der männliche Standard und nicht der Standard für die gesamte Menschheit. Sie spricht über responsives und spontanes Verlangen, über genitale Reaktionen, die nicht immer mit unserer sexuellen Erregung übereinstimmen und über noch so vieles mehr – nur um einen kleinen Vorgeschmack zu geben.  

Basis allen Wissens ist die Aussage “Lauter gleicher Teile, aber anders zusammengesetzt” (“Komm, wie du willst”, Emiliy Nagoski, Seite 94). Damit verdeutlicht Nagoski immer wieder, wie wichtig es ist, den genetischen Unterschied zwischen cis Frauen und cis Männern anzuerkennen und zu erkennen, dass cis Frauen und cis Männer trotz dieser Unterschiede vollkommen gleichwertige Sexualitäten haben.  

Über das gesamte Buch verteilt stellt die Autorin den Leser*innen immer wieder kleine Aufgaben – sei es “schau dich im Spiegel mal ganz genau an und sag, was du schön an dir selber findest” oder ein Fragebogen, der ausgefüllt werden kann, um mehr über die eigene Sexualität herauszufinden.  

Kurz gesagt: Emily Nagoski hat ein Buch geschaffen, das zugleich Lehrbuch, Mitmachbuch und Roman ist.  

Jetzt mal ganz ehrlich: Was denken wir?  

Wahrscheinlich nehme ich nicht zu viel vorweg, wenn ich euch mitteile: Wir sind begeistert. Ein Buch an cis Frauen und über cis Frauen, das Männern in keiner Weise beleidigend entgegentritt (teilweise sogar eher im Gegenteil) und zum Verständnis der weiblichen Sexualität eine gute Grundlage bietet. Nagoski gelingt es, anschaulich zu erklären, wie sexuelle Reaktionen mit gesellschaftlichen Normen und sozialem Kontext zusammenhängen. Mit lauter Metaphern, Beispielen und gleichzeitig wissenschaftlichen Herleitungen schafft sie eine wortwörtliche Wohlfühloase. Sie vermittelt das Gefühl, dass wir alle “normal” und gut sind, so wie wir eben sind. Dies tut die Autorin so strukturiert und behält im gesamten Buch einen roten Faden bei, dass der*die Leser*in immer weiß, was sie*ihn erwartet und selbst auch Bezüge zwischen den einzelnen Kapiteln herstellen kann. Insgesamt umfasst das Buch viel mehr, als wir erwartet hätten. Es geht nicht nur um Anatomie und Sex, es geht um den gesellschaftlichen Kontext all dieser Dinge und regt den*die Leser*in an, über Dinge nachzudenken, auf die er*sie alleine – vermutlich – gar nicht gekommen wäre.  

Nichtsdestoweniger haben wir an ein paar Stellen gedacht “hm, irgendwie nicht so ideal”: Unter anderem verwendet Nagoski in ihren Beispielen immer Paare. Zwar nicht nur heterosexuelle Paare, dennoch hätten wir uns gewünscht, dass es vielleicht auch mal um eine Frau alleine geht – ohne eine zweite Person. Außerdem geht die Autorin in ihren Beispielen und Ausführungen fast ausschließlich auf das binäre Geschlechtermodell ein. Hinzu kommt, dass es in den Beispielen um insgesamt 4 Paare ging und wir als Leser*innen am Ende gar nicht mehr richtig zuordnen konnten, wer jetzt wer war und bei wem was genau passiert ist.  

Und auch wenn sich die wissenschaftlichen Ausführungen im Rahmen halten, gibt es manche Stellen, die wir zwei-, drei- oder sogar viermal lesen mussten, um sie zu verstehen. Wobei, ganz ehrlich, manches habe ich noch immer nicht wirklich verstanden – allerdings ist das wahrscheinlich auch gar nicht nötig, da man sich mit der ein oder anderen Thematik einfach öfter beschäftigen muss, bis es Klick macht.  

Erinnert ihr euch an die Fragebögen, die ich zuvor erwähnt habe? Die sind so persönlich, dass wir das Buch nach dem Ausfüllen wohl kaum an eine weitere Person weitergeben wollen würden. Außerdem sind sie lang. Sehr, sehr lang, sodass man sich dazu wirklich die Zeit nehmen muss.  

Ja, ein ganz großes JA!  

Unser Fazit lautet trotz vereinzelter Kritikpunkte: Es gibt nicht einen Menschen, der dieses Buch nicht gelesen haben sollte. Im Prinzip jede*r, die*der bereit ist, Strukturen zu hinterfragen, neues über (die eigene) Sexualität zu lernen und sich selbst besser kennenlernen möchte. Nagoski gibt ihren Leser*innen nicht nur wertvolles Wissen über den eigenen Körper an die Hand, sondern gleichzeitig auch das nötige “Werkzeug”, um etwas zu verändern. Vielleicht ist “Komm, wie du willst” nicht das perfekte Einstiegsbuch, zumindest nicht, wenn wissenschaftlicher Background eher abschreckend auf euch wirkt – aber gerade deshalb ist es auch so unglaublich lehrreich. Wir gehen aus diesem Monat mit ganz viel innerer Ruhe und der Gewissheit, dass wir verdammt noch mal normal sind! Nagoski schafft es, dass wir uns angenommen und wohl in unserer Haut fühlen – was wollen wir denn mehr?  

“Komm, wie du willst” bekommt von uns ganze 4,5 von 5 Sternen.  

Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren wollt, dann schaut mal hier vorbei: 
https://www.emilynagoski.com/the-facts  

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Postkarten – Aktion

Die deutsche Bischofskonferenz verleiht jedes Jahr einen Preis an ein Kinder- oder Jugendbuch und veröffentlicht darüber hinaus eine Empfehlungsliste. Das Preisbuch wird von einer Jury ausgewählt. Dieses Jahr hat die Jury sich für das Buch “Papierklavier” entschieden, die DBK aber beschlossen, den Preis nicht zu vergeben und das Buch außerdem von der Empfehlungsliste zu nehmen. In unserem E-Mail-Verkehr mit dem Sprecher der DBK erhielten wir nur immer die Begründung, das Buch entspreche nicht den Kriterien. Ein Jurymitglied hat aber ganz klar erklärt, dass das nicht stimmt.
Wir wollen also nach wie vor wissen: warum hat das Buch dann keinen Preis bekommen?
Du auch? Dann mach mit bei unserer Aktion!

  1. Such dir eines der Postkartenmotive aus und entscheide, ob du einen fertigen Text von uns willst oder deine Frage an die DBK selbst formulieren möchtest
  2. Drucke die Postkarte aus
  3. Klebe die beiden Seiten entweder auf ein Stück Pappe oder – wenn du keins hast – stecke sie in einen Briefumschlag
  4. Unterschreibe die Karte
  5. Kleb eine Briefmarke drauf oder frankier sie mit dem Handy
  6. Ab geht die Post!
    Gemeinsam können wir was erreichen!

Danke an an unser Mitglied Julia für die wunderschönen Postkarten!

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