Leitbilder

In der sexuellen Aufklärungsarbeit sehen wir eine Chance unseren Teil zu einer Gesellschaft beizutragen, in der sich jede*r wohl, verstanden und gleichberechtigt fühlt. Indem wir mit jungen Menschen über gesellschaftliche Tabus sprechen, vermeintliche Ideale hinterfragen und die Grundsätze Konsens, Bodypositivity und Diversität groß schreiben, möchten wir einen angst- und vorurteilsfreien Diskurs rund um das Thema Sexualität schaffen. 

Als Verein möchten wir ohne Scham und losgelöst von heteronormativen Familienbildern und binären Geschlechterrollen Sexualität in all ihren Varianten und Facetten begreifen und erklären. Der Ansatz unserer Wissensvermittlung besteht darin, jungen Menschen zu begegnen, sie von vornherein einzubinden und uns mit ihren Fragen, Bedürfnissen und Erfahrungen gezielt auseinanderzusetzen. Dabei folgen wir nicht den traditionellen Mustern, sondern setzt den Fokus neu: auf die Lust.

Wie so viele sind auch wir fragend und fehlbar. Hin und wieder stellen wir uns daher Grundsatzfragen – mit besonderer Betonung auf “fragen” -, deren Gedanken wir hier mit euch teilen und transparent machen möchten.

Die Diversitätsfrage

Wir als Verein bezeichnen uns gerne als Verfechter*innen des „Diversity“-Konzept.

Es liegt uns sehr am Herzen, viele unterschiedliche Menschen zu erreichen und in unserer Arbeit zu berücksichtigen.  Mit „Diversity“ ist gemeint, dass Menschen, die vielfältig sind in Bezug auf ihr Alter und Geschlecht, ihre sexuelle Identität und Orientierung, ihre Hautfarbe, ihre ethnische Herkunft und Nationalität, ihre Gesundheit, Religion und Weltanschauung, gleichberechtigt vertreten werden.Wenn wir unser eigenes Team so betrachten, müssen wir zugeben, dass wir in den wenigsten dieser Aspekte bisher von uns behaupten können, divers zu sein. Wir bewegen uns viel zu oft innerhalb der „Bubble“, aus der wir entstanden sind. Warum ist uns „Diversity“ wichtig? Wir wollen nicht nur an den Erfahrungen, Kenntnissen und Perspektiven unterschiedlicher Menschen  wachsen, sondern vor allem auch für Repräsentation und Vorbilder sorgen. Außerdem ist es unglaublich wichtig, Privilegien im Hinblick auf viele Aspekte des menschlichen Miteinanders und vor allem im Hinblick auf die Sexualität und freie Entfaltung derselben zu hinterfragen. Denn die Merkmale, die das „Diversity“-Konzept umfasst, waren schon viel zu lange Grund für Diskriminierung. Verstärkt wird das, wenn ein Mensch mehreren benachteiligten Gruppierungen angehört (beispielsweise nicht-heterosexuell UND nicht-weiß ist). Wir fragen uns: Wie kann es uns gelingen, in unser Team und unsere Community mehr Diversität zu bringen, ohne Menschen auf EINEN Aspekt ihres Seins zu reduzieren? Es ist uns genauso wichtig, dass niemand Teil des Vereins oder gar ein Aushängeschild ist, „eben weil“ die Person diese oder jene „diverse” Eigenschaft hat. In erster Linie geht es um die inhaltlichen Fragen unserer Arbeit und darum, ob jemand Teil unseres Projektes werden will. Hürden zu identifizieren und zu überwinden, das ist etwas, was wir uns vornehmen und worüber wir ohne Zweifel viel lernen können. Genauso hat es für uns Priorität, Menschen in ihrer Menschlichkeit und damit ihrem Facettenreichtum zu erkennen. Jeder Mensch ist viele Dinge gleichzeitig. Was von ihm primär wahrgenommen wird, bestimmt die Gesellschaft und ihre Hierarchien. Eben das gilt es immer wieder zu bemerken und Schritt für Schritt zu ändern. Unsere Gemeinsamkeiten werden so hoffentlich irgendwann mindestens genauso wichtig sein wie unsere Unterschiede.

Die Haltungsfrage

In unserer Kommunikation mit der Öffentlichkeit, werdet ihr immer wieder nicht nur neutrale Berichterstattung, sondern auch persönliche Haltung antreffen. Dies ist eine bewusste Entscheidung. Nach dem Motto: „Meinung findet statt“ wollen wir zeigen, dass Themen der Sexualität nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Analyse sein können, sondern einen Platz im bunten, gesamtgesellschaftlichen Diskurs bzw. Dialog verdient haben. Wir als Verein „WirHabenLust e.V.“ verstehen uns als Plattform für den Meinungsaustausch von Individuen. Wichtig ist also festzuhalten: Die Meinung unserer Autor*innen stellt nicht zwangsläufig eine Meinung des ganzen Vereins dar. Allerdings achten wir selbstverständlich auf die Einhaltung und Wahrung eines lebendigen Katalogs an Grundwerten, wie bspw. der allseitigen Toleranz, das Bemühen um gegenseitiges Verständnis und die bewusste Reflexion von Vorurteilen, Privilegien und Automatismen. Als Personen und als Verein sind wir dennoch nicht unfehlbar. Solltet ihr also das Gefühl haben, dass wir oder einzelne in der ein oder anderen Sache über die Stränge geschlagen haben, weist uns bitte darauf hin.

Die Vertrauensfrage

Obwohl wir uns für Kommunikation und Dialog einsetzen, erkennen wir Diskretion im Umgang mit Sexualität als wichtiges Element unserer Arbeit an. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Schweigepflicht“. Eine Schweigepflicht wird vielfach als selbsterklärend hingenommen, das ist sie aber nur bedingt. In manchen Fällen, insbesondere für manche Berufsgruppen, sieht der deutsche Staat tatsächlich eine gesetzlich verankerte Schweigepflicht vor, welche sich aus zwei Teilen zusammensetzt: Vor Gericht erhält eine zum Schweigen verpflichtete Person (z.B. ein behandelnder Arzt) ein Zeugnisverweigerungsrecht und ist somit gegenüber staatlichem Zugriff geschützt. Gleichzeitig trifft eine solche Person aber auch die Pflicht, ihr anvertraute Geheimnisse nicht an Dritte weiterzugeben – verstößt man gegen diese Pflicht, macht man sich strafbar. Einen Großteil der ehrenamtlich tätigen Personen trifft eine solche gesetzliche Schweigepflicht nicht – so auch die Mitglieder von “WirHabenLust e.V.”. Um trotzdem ein gewisses Vertrauen aufzubauen und Sicherheit anbieten zu können, bekennen wir uns als Verein zu einer Art „Selbstverpflichtung“. Falls jemand nicht-anonymisierte Daten entgegen eurem Willen an Dritte weitergibt, wird intern aufgearbeitet; situationsabhängig kann dieses Fehlverhalten sogar als Handeln wider die Vereinsinteressen gewertet und somit satzungsgemäß zum Ausschluss des betreffenden Mitglieds aus dem Verein führen. Um diese Selbstverpflichtung konsequent umsetzen zu können, bitten wir euch im Zweifelsfalle um einen kurzen Hinweis auf die Vertraulichkeit der jeweiligen Kommunikation mit uns. Abschließend wollen wir aber nochmals ausdrücklich darauf hinweisen: Eine gesetzliche Schweigepflicht kann auch durch diese Bemühungen nicht vollwertig ersetzt werden.

Das Mehr-Augen-Prinzip

Man muss nicht jede Perspektive eingenommen, nicht jede mögliche Deutungsweise überdacht haben, bevor man sich an seine Mitmenschen wendet. Unperfekt ist das neue perfekt – das sagen wir nicht nur, das meinen wir auch so! Wer nämlich die Messlatte zu hoch anlegt und von jedem Menschen zu jedem Thema eine besondere Expertise erwartet, riskiert, dass viele Menschen ihre Meinung nicht mehr kundtun – aus Angst etwas falsches zu sagen. Ein lebendiger Diskurs entsteht so nicht. Als Verein hingegen genießen das Privileg mit Meinungen, Aussagen und Statements auf eine breite Basis an Mitgliedern zurückgreifen zu können. Und da wir diese Möglichkeit nun mal haben, fühlen wir uns verpflichtet sie auch zu nutzen. Unsere Kommunikation mit euch und der Öffentlichkeit erfolgt daher nach einem „Mehr-Augen-Prinzip“. Das bedeutet: Sämtliche Inhalte die wir über verschiedene Kanäle mit euch teilen, haben vorher einen Kontrollprozess durchlaufen, in dem jedes Mitglied hierzu Stellung nehmen konnte. Auch unsere Gleichstellungsbeauftragte hat ein Auge darauf, dass sich niemand diskriminiert, ausgeschlossen oder verletzt fühlt. Sollte das doch mal der Fall sein, weist uns bitte darauf hin!