Buch: Hite Report

„Macht Ihnen Masturbation Spaß?“ 

Das ist eine der vielen Fragen, die Shere Hite (eine amerikanische Sexualwissenschaftlerin) in den Siebziger Jahren in einem Fragebogen zusammenstellte und tausenden Frauen zur Beantwortung schickte. Ihr Buch, der „Hite Report“ fasst die Antworten von 3019 unterschiedlichen Frauen zusammen.

Als ich das Buch in die Hand nahm, war ich nicht sicher, ob es nach fast 50 Jahren noch immer Relevanz und Aktualität haben könnte. Aber kaum ein Gedanke, kaum eine Sorge oder Angst, von denen die Frauen erzählen, scheint mir heute überwunden zu sein. 

An dieser Stelle sei gesagt, dass das Buch hauptsächlich auf heterosexuelle Cis-Frauen eingeht. Es wurden zwar auch lesbische Frauen befragt und ein extra Kapitel „Lesbische Liebe“ verfasst, in dem auch Bisexualität thematisiert wird, im Vordergrund stehen dennoch Konflikte, die viele Frauen in heterosexuellen Beziehungen und vor allem durch das patriarchale Verständnis weiblicher Sexualität haben.

Welche Mythen über den weiblichen Orgasmus sind uns nicht schon begegnet? Wie oft können wir uns dabei erwischen, diesen Mythen doch noch ein bisschen zu glauben? 

Beim Lesen beachten sollte man, dass die Klitoris in den Siebzigern noch nicht ausreichend erforscht war (und ist es vermutlich bis heute nicht). Daher sind in diesem Zusammenhang nicht alle Informationen im Buch  korrekt oder umfassend genug (beispielsweise was den Verlauf der Klitoris im Inneren des Körpers betrifft oder die Stimulation durch die Vagina) . 

Die unfassbar ehrlichen, intimen und sehr persönlichen Erzählungen der Frauen sind jedenfalls alles andere als statische Zusammenfassung. Jede Antwort erzählt von einem eigenen Leben. Mich überkamen beim Lesen abwechselnd Gefühle von großer Verbundenheit, Rührung, Wut, Neugier und Stärke. Hite probiert nicht, die Antworten zu bekommen, die sie haben will. Sie lässt Unterschiede zu. Vor allem aber zweifelt sie nicht an den Frauen, ihren Erfahrungen und Empfindungen. Ich frage mich: Was wäre in meinem eigenen Leben anders gewesen, hätten alle meine Partner dieses Buch gekannt? Den Fragebogen  für sich selbst (oder mit dem Partner oder der Partnerin) zu beantworten, wäre eine fantastische Möglichkeit sich (und die andere Person) besser kennenzulernen und ihre Bedürfnisse zu verstehen…. 

Hite hat außerdem weitere Bücher  wie „Das sexuelle Erleben des Mannes“ (1981) und „Vom Stolz eine Frau zu sein“ (2003) geschrieben. Am 09.09.2020 ist Shere Hite im Alter von 77 Jahren gestorben. Lasst uns diese beeindruckende Frau und ihr Werk nicht vergessen! 

– Katha 

“Der Inhalt dieses Blogs ist die Meinung des*r Autor*in und nicht die des Vereins. Indem wir die Möglichkeit schaffen Blogbeiträge zu veröffentlichen, bietet der Verein eine Plattform für Meinungsbildung und -austausch. Bei Interesse einen Blog zu verfassen oder Fragen, Anregungen, etc. meldet euch gern unter pr@wirhabenlust.de.”

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Song: „Let´s Generalize About Men“

„A song that manages to be feminist and anti-feminist at the same time”

Das sagt die Schauspielerin und Sängerin Rachel Bloom über den Song „Let’s Generalize About Men“, den sie als Rebecca in der Fernsehserie „Crazy Ex-Girlfriend“, zusammen mit ihren Freundinnen, singt. Die millionenfach geklickte und auf Twitter verbreitete Musical-Nummer erinnert mit aufwendig geföhnten Frisuren, Schulterpolstern und der nicht zu verkennenden Ähnlichkeit zu The Weather Girls „It´s Raining Men“ stark an die Achtzigerjahre.

Der Titel, „Let´s Generalize About Men“, deutet schon auf eine eher ironische Message hin, denn immerhin wird ganz offen zum Verallgemeinern von Männern aufgerufen. 

Laut Rebecca und ihren Freundinnen sind ALLE 3,6 Milliarden “Männer” eigentlich nur primitive, vulgäre und verklemmte Monster, die ständig an Sex denken – naja – zumindest hetero-Männer. Denn im Song sind sich alle einig, „gay men are all really great, adorable and fun“. 

Kein Mann hört jemals wirklich zu und auch die Söhne von Rebeccas Freundin sind nur heranwachsende Vergewaltiger.

Gleichzeitig wird sich aber auch darüber lustig gemacht, dass es Teil der Heterokultur ist, wenn Frauen Männer derart verallgemeinern, fast wie ein Ritual, damit sie sich besser fühlen.

Das Lied verspottet Heuchelei, ist aber auch so extrem übertrieben, dass es beinahe therapeutisch Charakter hat, einfach mal loszulassen und bei einem Glas Wein mit seinen Freunden zu (ver)urteilt.

Ein feministisches und doch zugleich anti-feministisches Lied? 

Die Pauschalisierungen und Lästereien im Lied über Männer sind reine Übertreibungen und beim besten Willen nicht feministisch. Feministisch ist es, soziologische Implikationen von Männlichkeit zu hassen, ohne Männer zu hassen, genauso wie man die soziologischen Implikationen des „white privilege“ hassen kann, ohne weiße Menschen zu hassen. Toxische Männlichkeit kann zutiefst verurteilt werden, ohne dabei alle Formen von Männlichkeit zu beschimpfen. Allerdings muss vielleicht gerade darin eine Freiheit von Frauen und Feminist*innen liegen, um auf strukturelle Probleme aufmerksam zu machen.

Daneben werden andersrum auch Frauen und Feministinnen im Song verallgemeinert, indem ihre Leiden als sehr leichtfertig angesehen werden. Hierbei wird „female empowerment“ stark, aber satirisch kritisiert.

Man sollte dieses Lied also nicht zu ernst nehmen, denn die „Comedy“ und Satire springt einem förmlich ins Gesicht.

Ein Lied, das sich über beide Geschlechter lustig macht, ohne zu verteufeln. Es ist ein fantastisches Beispiel für gelungene Satire.

Außerdem ist es unglaublich „catchy“ und die Darbietung ist wunderbar.

-Luca

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Buch: Make Love

„Make Love“ ist ein Aufklärungsbuch von 2012. Es richtet sich vor allem an Jugendliche, kann aber auch für andere Altersgruppen interessant sein. Der Inhalt wird gut strukturiert wiedergegeben und beleuchtet viele verschiedene Seiten des Themas Sexualität. Die großen Fragen der sexuellen Aufklärung werden einleuchtend und auf eine lockere, offene Weise beantwortet. Es wird nach dem „Ersten Mal“ kein Schlussstrich gezogen und weitere Themen wie sexuelle Identität, Vorlieben u.v.m. erläutert. Ein Grundsatz des Buches ist es, Sex so zu zeigen wie er wirklich ist. Dies wird besonders durch explizites Fotomaterial und Texte geschafft. Ich finde, auch die Infografiken helfen beim Überblick zu verschiedenen Statistiken und Umfragen.

Aber warum „Make Love“? Muss Sex denn immer was mit Liebe zu tun haben? Ich finde nicht, und im Buch ist dieser Punkt eigentlich auch gut dargestellt. Trotzdem wird beispielsweise im Kapitel zum Ersten Mal stark betont, dass dies mit der Freund*in stattfindet. Doch das ist ja auch nicht immer und bei allen der Fall. Den Titel hätte man eventuell etwas offener gestalten können, grundsätzlich handelt es sich jedoch in meinen Augen um ein innovatives Aufklärungsbuch, das seinen Zweck sehr gut erfüllt und mit Berechtigung so oft gelobt wird.

– Sarah

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Gründung

Endlich ist es soweit!

Es liegen intensive Monate mit vielen konstruktiven (online) Treffen, spannenden Gesprächen, zündenden Ideen, jede Menge Brainstorming, Absprachen und nächtlicher Recherche hinter uns.

Unser Verein “WirHabenLust” für sexuelle Aufklärungsarbeit ist gegründet!

Bei unserer Gründungsversammlung gestern haben wir erstmal darauf angestoßen und die letzten Monate Revue passieren lassen: Aus einer Idee haben wir einen Plan getüftelt, eine Vision geformt, über Distanzen hinweg Hand in Hand gearbeitet, ein Logo und eine Website entworfen und eine Satzung verabschiedet.

Und vor allem haben wir eins: noch ganz viel vor!

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